Freitag, 23. Oktober 2009

Schwarzgelb - Das Krankenmobbing beginnt

Focus-Online meldet, dass Schwarzgelb die bisherige quartalsweise zu zahlende Praxisgebühr abschaffen will und sie durch eine Gebühr pro Arztbesuch ersetzen will. Als Begründung werde angeführt, dass die bisherige Praxisgebühr nicht die beabsichtigte Lenkungsfunktion gehabt habe. Es seien Anreize für gesundheits- und kostenbewußtes Verhalten notwendig.
"Praxisgebühr soll sinken" in Focus-Online vom 22.10.2009 
Marktzyniker meint: Schon für sich genommen, ist die Forderung nach "Anreizen" für "gesundheits- und kostenbewußtes" Verhalten eine Dreistigkeit, die ihres Gleichen sucht und ein Schlag in  das Gesicht aller Erkrankten: Es wird unterstellt, dass große Teile der Bevölkerung vorsätzlich eine Erkrankung herbeiführen und dann aus reinem Spaß an der Freude zum Arzt gehen und sich wohlmöglich noch hobbymäßig operieren lassen, etwa wegen der "coolen" Narkose. 
Aber den Zynikern von Schwarzgelb geht es nicht um eine Hand voll Euro mehr oder weniger. Die beabsichtigte Zielrichtung dieser Anreiz-Argumentation ist, dass der erkrankte Mensch, sich als Kostenfaktor fühlen soll. Krankheit ist nach neoliberaler Lesart, kein Schicksalschlag, sondern selbstverschuldetes Übel, demzufolge soll der Erkrankte der Solidargemeinschaft "büßen".    
Und offenbar wirkt die Propaganda. Schon jetzt melden sich immer mehr Menschen aus Sorge um ihren Arbeitsplatz nicht mehr oder erst später krank. Die Zahl der Krankmeldungen sinkt. Diese Haltung der Arbeitnehmer ermutigt die Arbeitgeberseite weitere Einschränkungen der Lohnfortzahlung zu fordern, da diese ja der Wirtschaft abermilliarden Euro "kostet".
"Krankenstand sinkt auf Rekordtief" in Spiegel-Online vom 12.10.2009
Selbstverständlich wird bei dieser Propaganda gerne übersehen, dass auch häufig grade die Arbeitsbedingungen die Leute krankmachen. Chronischer Stress, Konkurrenzdruck und Sorge um den Arbeitsplatz werden, neben den üblichen Belastungen,  zu einem zusätzlichen krankmachenden Faktor, exemplarisch:
"Stress im Betrieb - immer mehr Essener krank" in WAZ Onlineportal vom 22.10.2009
Die nächsten Jahre werden eisig, wehe den Schwachen und Kranken. Wehren Sie sich ! Ansonsten bleibt Ihnen nur noch zu wünschen: "Bitte bleiben Sie gesund !"

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen