Montag, 2. November 2009

Arbeitszeitkonten - Bei Pleite oft weg !

Presseberichten zu Folge erwarten Insolvenzverwalter und Inkassounternehmen für 2009 mindestens 35.000 Insolvenzen von Unternehmen, diese Welle werde sich auch 2010 fortsetzen.
Dem Mittelstand könne eine Katastrophe drohen, viele Mittelständler hätten keine Reserven mehr, um an das rettende Ufer zu kommen.
"Verbandstagung: Experten erwarten 35000 Insolvenzen" in Handelsblatt-Online vom 29.10.2009
Für Arbeitnehmer mit Arbeitszeitkonten stellt sich damit die Frage, was eigentlich im Fall der Fälle mit ihrem angesparten Zeitguthaben geschieht. Obgleich diese Geld- oder Zeitguthaben grundsätzlich gemäß § 7 b SGB VI gegen Insolvenz geschützt werden müssen,
wird dies offenbar von vielen Unternehmen gern vergessen. Der WZBrief Arbeit vom Juni 2009 des Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) teilt mit, dass nur jedes dritte Unternehmen, welches Langzeitarbeitskonten führt, diese gegen den Konkursfall abgesichert hat.
Nach einer Untersuchung des DGB sieht die Lage im Bereich der Kleinbetriebe mit bis zu hundert Mitarbeitern noch schlechter aus, nur 37 % der Unternehmen haben dort die Konten gegen eine Pleite des Unternehmens gesichert.

Marktzyniker meint:  Es verwundert immer wieder, welche Borniertheit das Unternehmerntum in diesem unserem Lande ihren eigenen Belegschaften gegenüber an den Tag legt. Mag auch die Nichtabsicherung in vielen Fällen einem gewissen privatwirtschaftlichen Schlendrian geschuldet sein, so muss es sich eigentlich jedem Unternehmer aufdrängen, dass Arbeitszeitkonten, wirtschaftlich betrachtet, Kredite des Arbeitnehmers an die Firma sind. In Boomzeiten verzichtet der Arbeitnehmer auf Auszahlung seiner Überstunden, in der berechtigten Hoffnung, diese später "abbummeln" zu können oder auszubezahlt zu bekommen. Dieser Kredit gehört ausreichend gegen eine Pleite gesichert. Dies fordert schon der Anstand den man von einem ehrbarem Kaufmann verlangen darf und zwar erst Recht in Zeiten, in denen die Arbeitgeberseite offenbar keine Problem damit hat, Leute wegen dem Verdacht des "Diebstahls" einer kalten Maultasche zu feuern.
Wer sich die Auszahlung von Löhnen über lange Zeiträume stunden lässt, hat schon die Anstandspflicht, diese gegen Ausfall wasserdicht abzusichern. Insoweit fordert der DGB nur etwas Selbstverständliches, wenn er eine Nachweispflicht für diese Sicherungen gesetzlich verankert wissen will .
"DGB fordert verbesserten Insolvenzschutz für Arbeitszeitkonten" in einblick-info-service

1 Kommentar:

  1. Da schießen die Gewerkschaften aber spät. Wenn die Gewerkschaften unbedingt wollen, dass Arbeitszeitkonten bei Insolvenzverfahren nachrangig behandelt werden, dann müssen sie mit Arbeitgebern aushandeln, dass Überstunden als Kredite behandelt werden. Jedoch verlieren dann Arbeitszeitkonten ihren Charakter als (eigenkapitalähnlichen) Innenfinanzierungsinstrument, sondern gelten dann als Schulden der Firma, was widerum den konventionellen Gläubigern nicht gefallen dürfte - sprich weniger Verschuldung/Kredite bei/von Banken möglich.

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