Mittwoch, 18. November 2009

Credit default swaps - Ein gefährliches Instrument, was nur Spekulanten nützt Teil I

Der Artikel legt dar, dass Credit defaults swaps (CDS), kein geeignetes Instrument zur Absicherung von Krediten darstellen, da CDS am Darlehensgeschäft unbeteiligten Dritten, Spekulationen auf die Solvenz des Schuldners erlauben. CDS sollten schon aufgrund ihres spekulativen Missbrauchs verboten werden. Ausfallsrisiken lassen sich ausreichend mit dem bewährten Instrument der Kreditversicherung absichern. Ein Schritt in die richtige Richtungwäre es aber schon, wenn CDS  auf Inhaber der gesicherten Forderung beschränkt würden.
Michael Moore prangert in seinem neuen Film unter Anderem die Praxis vieler amerikanischer Unternehmen an, dass sie ihre Angestellten bei einer Lebensversicherung versichern, damit das Unternehmen im Todesfall an dem Tod ihres Angestellten verdient.
Interessanterweise hält sich die moralische Kritik an CDS in Grenzen, obgleich die Sachlage hier ähnlich ist: Nur dass mit CDS zwar nicht auf den Tod von Menschen, aber auf die Zahlungsfähigkeit von Firmen oder gar auf ganze Staatshaushalte gewettet werden kann, etwa dem der USA.
"Ausfallsicherungen: Geldmärkte spielen komplett verrückt" in Handelsblatt Online vom 26.1.2009
So bedienen sich auch Alex Blumberg, Adam Davidson und Ira Glass zur Erläuterung von CDS des Beispieles eines sterbend kranken Mannes, für den alle möglichen Leute schnell noch eine Lebensversicherung zu ihren Gunsten kaufen wollen, um eine Million Dollar an seinem Tod zu verdienen.
Wenig pietätvoll wären solche Geschäfte, aber es ist ja nur ein Beispiel und es geht ja um die Finanzbranche,  da gelten halt andere Grundsätze.
Doch was sind nun genau CDS? Zunächst einmal sind CDS ein Instrument zur Versicherung von Krediten. Gegen eine risikoabhängige Prämie, kann sich ein Gläubiger gegen den Ausfall der Forderung bei dem CDS-Verkäufer versichern, ähnlich einer Kreditversicherung.
Der kleine, aber wichtige und in der Presseberichterstattung sehr oft verschwiegende Unterschied zu einer herkömmlichen Kreditversicherung ist, aber dass der Käufer des CDS gar nicht der Inhaber der gesichterten Forderung sein muss, er hat auch dann Anspruch auf die Auszahlung der Versicherungssumme, wenn ihm durch den Ausfall des Schuldners kein Schaden entstanden ist, weil er dem Schuldner nie einen müden Cent geliehen hat.
Es ist mit CDS daher möglich, auf den Zahlungsausfall eines Schuldners quasi zu wetten, ohne diesem selber Geld geliehen zu haben, man spricht bei solchen Wettgeschäften auch von "Naked CDS".
"Nackiger" CDS, deshalb weil der Käufer des CDS keine Ansprüche aus dem eigentlich abgesicherten Kredit hat, nur halt aus der Versicherung. Man schließt sozusagen eine Brandversicherung für ein fremdes Haus ab, welche aber im Schadensfall auch an die Nichteigentümer leistet, so dass weitere sehr anschauliche Beispiel von Alex Blumberg, Adam Davidson und Ira Glass in NZZ Folio.
Nun überlegen Sie mal, mit welcher Intention Sie für das Haus ihres Nachbarn eine solche Feuerversicherung kaufen würden, wenn es sie denn gäbe. Genau! Entweder sind sie selber bereit dem Brandfall etwas "nachzuhelfen" oder vielleicht ist ihnen bekannt, dass ihr Nachbar -sagen wir mal- etwas tolpatschig im Umgang mit offenen Licht ist oder Sie wissen ganz genau, dass ihr Nachbar sehr viele pyromanische Feinde hat. Ansonsten würde diese Versicherung für Sie reine Geldverschwendung sein und auch genau aus den eben genannten Gründen können sie lange nach so einer Versicherung suchen. Zum Glück ! Flächenbrände in Einfamilienhaussiedlungen würden an der Tagesordnung sein!
Anders in der Finanzbranche: Dort hat man erkannt, dass es sich mit diesen Papieren hervorragend spekulieren lässt, halt wie mit Aktien und Anleihen,  auf steigende und sinkende Kurse, nur mit dem Vorteil, dass man CDS praktisch endlos vermehren kann, so ein Investment-Banker laut Welt-Online.
"Derivate und Co: Die gefährlichen Produkte der Finanzbranche" von Frank Stocker und Sebastian Jost in Welt-Online vom 12.10.2008
Klar logisch, Feuerversicherungen für fremde Häuser könnte man auch in fast unbegrenzter Anzahl verkaufen, wieviele Pyromanen gibt es und wieviele Eigenheimler würden die Bude des Nachbarn gerne brennen sehen und damit noch ordentlich Kohle verdienen?
So aber auf dem Finanzmarkt. CDS wurden nur zu einem kleinen Teil durch die eigentlichen Gläubiger gekauft, sondern mehrheitlich von Spekulanten, welche auf den Ausfall des mit den CDS gesicherten Kredites spekulierten.
"Kreditausfallsicherungen: Derivate-Streit spitzt sich zu" von Andrea Cünnen in Handelsblatt-Online vom 30.01.2009
Diese Spekulanten können nur das Interesse haben, dass der gesicherte Kredit ausfällt oder zumindest wackelt. Dieser "negative" Anreiz entsteht dadurch, dass der Spekulant nur an dem CDS verdient, wenn der gesicherte Schuldner ausfällt. Es besteht damit die Gefahr, dass von Seiten der CDS-Käufer auf eine Insolvenz hingewirkt wird.
"Der Januskopf der CDS - Verschärfte Debatte um die Zukunft des Kreditausfallsversicherung" in Neue Zürcher Zeitung Online vom 16.11.2009
Und tatsächlich haben sich Konkursrichter und Insolvenzverwalter in den USA über das  neuerliche und scheinbar seltsame Drängen von Hedgefonds auf den Konkurs eines Unternehmens gewundert, dessen Gläubiger ein Hedgefond war. Die Ursache war, dass die Hedgefonds ihre CDS fällig machen wollten.
"Finanzmarkt: Das Gift der Spekulanten Die Pleitewelle" von Heike Buchter in Zeit-Online vom 21.6.2008
Denn wenn der Kredit ordnungsgemäß bedient wird, geht der Spekulant leer aus.
Marktzyniker meint: Das Beispiel der CDS zeigt, wie aus einem "langweiligen" Sicherungsinstrument von Krediten ein Spekulationsinstrument für Wetten auf Solvenzverschlechterungen wurde. Aufgrund des spekulativen Charakters gehören die CDS verboten, zumindest aber sollten die CDS auf ihren eigentlichen Zweck -nämlich auf die Absicherung von Solvenzrisiken- beschränkt werden, also  dadurch das CDS nur noch von den Gläubigern der Forderung gekauft werden dürfen.
"Kreditausfallsicherungen: Derivate-Streit spitzt sich zu" von Andrea Cünnen in Handelsblatt-Online vom 30.01.2009
Ein denkbarer Weg wäre es, die Auszahlung der Prämie von dem Nachweis eines Schadens abhängig zu machen.
Im nächsten Teil der Serie wird Marktzyniker über die gesamtwirtschaftlichen Gefahren berichten, welche sich aus dem spekulativen Handel mit CDS ergeben.

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