Mittwoch, 4. November 2009

Kolbenschmidt - Mahnwache in Hamburg

Mit einer Mahnwache wollen die Beschäftigten des Hamburger Kolbenschmidtwerkes für den Erhalt ihres Werkes in Hamburg kämpfen. Es stehen knapp 190 Arbeitsplätze zur Disposition....
Es steht zwar noch nicht fest, ob das Werk geschlossen wird, aber die Belegschaft geht davon aus, dass das Werk zum Ende des Jahres 2009 geschlossen werden soll.
"Wirtschaft: Verschlossenes Werkstor bei Kolbenschmidt in Hamburg" in NDR-Online vom 3.11.2009
Obgleich für die Mitarbeiter des Werkes in Hamburg eine Standortgarantie bis 2012 bestand,
und das Unternehmen, anlässlich der Feier seines hundertjährigen Bestehens noch verlauten ließ, dass es nun wieder aufwärts gehe,
wurde das Werk in der Nacht zum Montag geschlossen und eingezäunt. Angestellten und Betriebsrat wurde der Zugang am Montagmorgen durch einen Sicherheitsdienst verwehrt. Den Angestellten blieb zunächst nur noch das sehr zweifelhafte Vergnügen, der Demontage von Anlagen zuzusehen, an welchen sie  mal gearbeit haben.
Laut der Unternehmensführung diene die Aktion der Zusammenlegung der Produktion in Neckars-Ulm. Die Montagelinie solle dorthin verfrachtet werden, da sie dort gebraucht werde.
"Aussperrung in Ottensen" von Stefan Maass in Welt-Online vom 3.11.2009
Die Aktion, die von der IG-Metall und Betriebsrat als Skandal scharf verurteilt wurde,
Pressemitteilung der IG-Metall vom 3.11.2009
stellt sich für das Unternehmen als völlig gesetzeskonform da.
Ausgesperrt! Autozulieferer macht über Nacht den Betrieb dicht" in Hamburger Morgenpost vom 3.11.2009
Inzwischen hat der Betriebsrat im Wege einer einstweiligen Verfügung wieder Zugang zum Betriebsgelände erhalten.
"Arbeitsagentur streicht das Kurzarbeitergeld" in Hamburger Abendblatt vom 4. November 2009
Die Ereignisse in Ottensen sind der bisher letzte Akt eines Dramas, welches schon seit einiger Zeit andauert. Schon 2007 gab es Presseberichte dahingehend, dass das Hamburger Werk geschlossen werden sollte, die beabsichtigte Schließung wurde damals von Seiten des Unternehmens mit gestiegenen Kosten begründet,
Ebenso soll es damals laut Hamburger Abendblatt, Presseberichte gegeben haben, dass eine Verlagerung der Produktion in das Ausland geplant sei.
Noch im Frühjahr 2008 legte der Gesamtbetriebsrat einen Plan für den Erhalt des Standorts in Hamburg vor. Nach diesem Konzept sollten "nur" ca. 50 Arbeitsplätze in Hamburg gestrichen werden, die Durchführung des Planes hätte jedoch auch Investionen von Seiten des Unternehmens erfordert.
Im Herbst 2008 berichtete Welt-Online darüber, dass im Neckarsulmer Werk, die Angestellten damit begonnen hätten, ihre Überstunden abzubauen, weil die Nachfrage in Folge der Krise gesunken sei.
Auch in Hamburg wurde monatelang  kurzgearbeitet, die Arbeitsagentur stellte jedoch schon im September  2009 die Zahlungen von Kurzarbeitergeld ein, da die geplante Schließung offenbar wurde und kein Kurzarbeitergeld gezahlt wird, wenn ein Werk geschlossen werden soll. Momentan erhalten die Angestellten ihr Gehalt wieder alleine von  Kolbenschmidt ohne Leistungen der Agentur für Arbeit.
"Arbeitsagentur streicht das Kurzarbeitergeld" in Hamburger Abendblatt vom 4. November 2009
Marktzyniker meint:  Die ganzen Geschehnisse sind einfach nur noch als skandalös zu betrachten. Es zeigt sich wieder einmal, dass irgendwelche Garantien von Arbeitgebern im Zweifel nicht das Papier wert sind, auf dem sie niedergeschrieben worden sind.  Wo bleibt eigentlich der Aufschrei unserer achso sozialen Mittelständler? Wie kann es eigentlich dazu kommen, dass ein renommiertes Unternehmen in einer Nacht- und Nebelaktion ein Betriebsgelände einzäunt und die Angestellten nebst Betriebsrat durch einen Sicherheitsdienst, wie Diebe vom Hof jagen lässt? In welchen Land leben wir eigentlich? Sind Arbeitnehmer neuerdings Menschen zweiter Klasse?
Es zeigt sich leider wieder einmal, dass es rein gar nichts für die Belegschaften bringt, wenn sie im Hinblick auf den Erhalt ihres Arbeitsplatzes irgendwelche Zugeständnisse machen. Den Arbeitnehmern in diesem unserem Lande muss klar werden, dass ihre Leistung nicht mehr honoriert wird. Sie sind aus Sicht der Unternehmer lediglich "Humankapital", welches Rendite bringen muss, ausgebeutet gehört und gefeuert wird, wenn es unrentabel wird. In Zukunft ist daher eine knallharte Gangart angesagt, welche keinerlei Rücksichten auf die Belange des Unternehmens nehmen darf.
Diese neue härtere Gangart setzt eines voraus: Solidarität. Es darf nicht sein, dass -wie im Falle Kolbenschmidt- offenbar geschehen, sich die Betriebsräte der einzelnen Standorte gegenseitig blockieren und ausspielen lassen oder dies in einer Art vorrauseilenden Gehorsam selber tun.
"Wirtschaft - Keine Hoffnung mehr für Kolbenschmidt" auf  NDR-Online vom 19.10.2009
Nun ist Zusammenhalt gefragt, entweder gehen alle oder keiner! Man gehe nicht irgendwelchen Versprechungen von Arbeitgebern auf den Leim. Es ist eine uralte Taktik die Belegschaften gegeneinander auszuspielen. Wenn ein Unternehmen Rendite auf Kosten der Arbeitnehmer machen will, wird es sich im Zweifel nicht an Vereinbarungen oder Versprechungen gebunden fühlen. Es geht Unternehmen im Rahmen von Standortdiskussionen oft nur noch darum, die Belegschaften bis zur Fertigstellung des neuen Standortes hinzuhalten, damit diese ohne Murren die Übergangszeit überbrücken.
Hamburg hält Mahnwache, wann bewegt sich Neckarsulm? Es ist schlimm in diesen Zeiten arbeitslos zu werden. Noch schlimmer ist es allerdings, sich eingestehen zu müssen, dies ohne legalen Widerstand geworden zu sein.

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