Mittwoch, 11. November 2009

Zeitarbeiter: Neuerdings Ware im "Job-Supermarkt" ?

Dass Werbung nicht immer langweilig und unkreativ sein muss, will offenbar ein Zeitarbeitsunternehmen aus Hamburg beweisen. Das seit 1977 etablierte Unternehmen bietet seine Mitarbeiter seit Anfang des Jahres in einem "Job-Supermarkt" an.
Geneigte Kunden "erhalten" in dem "Supermarkt" täglich ab 7 Uhr "fachkundiges" Personal,
welches die Kundschaft "sofort abholen" kann oder aber auch zur Kundschaft "eilt".
http://www.job-supermarkt.de/ 
Marktzyniker meint: Na,  dass ist doch mal ehrliche Werbung, könnte man denken. Der Arbeitnehmer als Ware in einem "Job-Supermarkt". Ok, es handelt sich um einen Einzelfall. Ja, der Erfinder dieses "Job-Supermarktes" hat halt etwas über das Ziel hinausgeschossen. War sicher auch keine "böse"Absicht ! Halt nur eine etwas fragwürdige Art von Kreativität.
Aber dennoch: Wehret den Anfängen ! In Supermärkten werden gemeinhin Waren angeboten und gekauft. Zugegeben: Es gibt auch einen Arbeits-"Markt", aber auf diesem werden nach allgemeinem Verständnis Arbeitsleistungen angeboten, aber keine Menschen. So jedoch in dem "Job-Supermarkt", dies ergibt sich aus der weiteren werblichen Darstellung. Aus dem Wort "eilt" ergibt sich zumindest sprachlich, dass der "Job-Supermarkt" sich auf Personen und nicht auf Arbeitsleistungen bezieht. Arbeitsleistungen können nirgendwo hin "eilen", dies können nur Personen. 
Weiterhin ist zu bemerken, dass in Supermärkten typischerweise gleichförmige, genormte und austauschbare Produkte gehandelt werden. Dagegen handelt es sich bei Arbeitnehmern zunächst einmal um Menschen und nicht um Produkte. Darüberhinaus sind Arbeitnehmer als Menschen Individuen und damit gerade nicht austauschbar, wie etwa ein Massenprodukt im Supermarkt. 
Letztendlich hat ein Arbeitsvertrag auch nicht den Verkauf einer Person zum Gegenstand, sondern die Erbringung einer Arbeitsleistung gegen Lohn durch den Arbeitnehmer in eigener Person.
Es lässt sich damit feststellen, dass die Wortwahl oder besser Wortkonstruktion: "Job-Supermarkt" den dort beschäftigten Mitarbeitern sprachlich ihre Individualität raubt. Sie werden zu austauschbaren Trägern gewisser Qualifikationen.  Die Arbeitnehmerschaft der Firma wird damit sprachlich zu einer Art Sortiment, geordnet nach beruflichen Qualifikationen. Nicht die Arbeitsleistung des Herrn Müller als Gabelstaplerführer wird angeboten, sondern ein Gabelstaplerfahrer oder zynisch betrachtet: "Drei Staplerfahrer für jeweils eine Stunde ? Macht 59,94 Euro !".
Diese "Verdinglichung" von Arbeitnehmern wird noch dadurch verschärft, dass man die Zeitarbeiter "abholen" könne. Die Kombination aus "Supermarkt" und "abholen suggeriert "cash and carry".
Alles in Allem lässt sich damit zusammenfassend feststellen, dass die Bezeichnung "Job-Supermarkt" objektiv eine sprachliche Herabwürdigung von Arbeitnehmern gegenüber potentiellen Kunden des Unternehmens ist, da diese sprachlich als eine Art genormte Ware feilgeboten werden. Man mag diese Form der Werbung als ehrlich im Hinblick auf die heutige Arbeitswelt bezeichnen, aber dennoch verbietet die Menschenwürde aus Artikel 1 Grundgesetz auch die sprachliche Herabstufung des Menschen zur Ware und damit zum bloßem Objekt wirtschaftlichem Handelns. Und sowas ist weder witzig, noch smart und schon gar nicht kreativ !

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