Dienstag, 19. Januar 2010

Vermögensverteilungsstudie: Beamtenbashing statt Vermögenssteuerdiskussion

Kaum wird die altbekannte Tatsache, dass die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer werden wissenschaftlich belegt, schon reagiert insbesondere die Mainstreampresse mit der üblichen Strategie: Das Problem wird heruntergespielt, beschönigt und sodann gegen eine Bevölkerungsgruppe gemobbt. Im vorliegenden Fall gegen die Beamten. Es könnte ja eine Leistungsdiskussion oder gar eine Vermögenssteuer gefordert werden.
Schon vor einem Jahr hat die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler Stiftung die Vermögensverteilung in dieser unserer Republik durch das Institut der Deutschen Wirtschaft (DIW) untersuchen lassen und ist zu dem Ergebnis gekommen, dass ein Prozent der Bevölkerung über annähernd 23 Prozent des Gesamtvermögens verfügt.
"Ein Prozent der Bevölkerung verfügen über annähernd ein Viertel des gesamten Vermögens", Marktzyniker vom 10.10.2009
Auch in diesem Jahr wurde von der Hans-Böckler Stiftung in Zusammenarbeit mit dem DIW die Vermögensverteilung untersucht, allerdings wurden  nunmehr auch die Renten- und Pensionsanwartschaften in die Studie miteinbezogen.
Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass auch unter Berücksichtigung dieser Anwartschaften, sich kein anderes Bild ergibt. Zwar dämpften die individuellen Pensions- und Rentenanwartschaften die Vermögensunterschiede, aber dennoch sei nachwievor von einer hohen Vermögenskonzentration auszugehen, welche sich in Zukunft verfestigen werde, da die Erwerbsbiographien immer unsteter würden.
Pressemitteilung der Hans-Böckler Stiftung vom 18.1.2010: "Vermögen in Deutschland: Renten- und Pensionsansprüche dämpfen Ungleichverteilung - aber hohe Konzentration bleibt"
Der an der Studie beteiligte Dr. Claus Schäfer bringt es auf den Punkt: In einem Interview mit ZDF-Online stellt er fest, dass die Reichen immer reicher würden und das Fleiss kein Garant für Wohlstand sei sondern dieser eher vom persönlichen Schicksal abhängig ist. Konsequenterweise und mit Recht fordert er in dem Interview von der Politik eine höhere Besteuerung von Erbschaften und die Wiedereinführung der Vermögenssteuer.
Diese Schlüsse aus der Studie werden natürlich nicht dem Leser gleich auf die Nase gebunden, es wird beschönigt und die angeblichen Privilegien von Beamten betont. Tobias Kaiser von der Welt  beispielsweise prescht vor und teilt mit, dass die Vermögensungleichheit in Deutschland nicht so schlimm sei, wie es bisher schien und sieht es lediglich als politisch brisant an, dass vor allem Beamten priviligiert seien, deren Pensionsansprüche auf dem Papier anschwellten.
Die Berliner Morgenpost geht sofort zum Frontalangriff auf das Berufsbeamtentum über, in dem sie titelt, dass die Beamten die reichsten Deutschen seien.
Offenbar ist dem Autor entgangen, dass nachwievor die Aldi-Brüder die reichsten Deutschen sind,
"mm-Ranking: Aldi-Brüder bleiben reichste Deutsche" von Klaus Boldt in Manager-Magazin vom 6.10.2009
geht der Berliner Tagesspiegel davon aus, dass Aldi eine Behörde ist ?
Etwas Klartext wenigstens vom Handelsblatt. Der Verfasser hebt die Tatsache hervor, dass zehn Prozent der Bevölkerung über sechzig Prozent des Gesamtvermögens verfügen und siebzig Prozent der Bevölkerung sich  neun Prozent des Vermögens teilen dürfen (oder müssen).
Diese Feststellung findet sich auch in der Onlineausgabe der Wirtschaftswoche, aber auch hier wird das Thema Vermögenssteuer nicht mit einem Wort erwähnt, ebensowenig wird klarstellend darüber berichtet, dass der Mythos, dass Fleiss immer zu Wohlstand führt, mit dieser Studie wohl nun widerlegt sein sollte.
Marktzyniker meint: Diese Studie stellt einen politischen und sozialen Sprengsatz höchster Explosivkraft dar. Sie räumt mit dem "Wohlstand durch Fleiss und Arbeit"-Mythos ein für alle mal auf. Aber die eigentliche Sprengkraft liegt in der Feststellung der extremen Vermögenskonzentration. In wessen Interesse kann eine Regierung handeln, wenn sechszig Prozent des Vermögens in der Hand von zehn Prozent der Bevölkerung konzentriert sind ? Bestimmt nicht im Interesse der restlichen neunzig Prozent ! 
Diese Brisanz ist von den Beamtenbashern erkannt worden, die Strategie daher nachvollziehbar:
"Lenke etwaigen Neid auf die Beamten statt auf die sogenannten Eliten"

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