Samstag, 6. März 2010

Banken: Der Staat garantiert - bis er selber zusammenbricht

Unter Hinweis auf die angebliche "Systemrelevanz" wurden seit Herbst 2008 Milliarden von Euros und Dollars von den Regierungen dieser Welt den Banken hinterhergeworfen. Meistens mit dem Hinweis darauf, dass eine Insolvenz der betroffenen "Institute" dem Steuerzahler teurer gekommen wäre. Mit der Folge, dass nunmehr endgültig die Banken alle Volkswirtschaften im Griff haben.
Für Banken als "Lebensadern" einer Volkswirtschaft habe es schon immer eine implizite Staatsgarantie gegeben, diese Garantie sei nun  explizit gemacht geworden, so der "Analyst" gegenüber der Tageszeitung Welt im Herbst 2008 zu den Rettungspaketen.
"Bankenrettung gefährdet den Staatshaushalt" von Daniel Eckert und Holger Zschäpitz in Welt-Online vom 19.10.2008
Oder anders gewendet: Die Theorie der an der Entstehung der Krise beteiligten Banker, dass sie im Zweifel immer mittels Steuergeldern "gerettet" werden, hat sich in der Praxis bewiesen.
Denn grade weil die Regierungen nach Lehman sämtliche Banken mit vielen Milliarden gestützt haben, kann kein Politiker mehr glaubhaft damit drohen wackelnde Finanzinstitute nicht zu stützen.
Für die Finanzmarktakteure lohnt es sich daher erst Recht hohe Risiken einzugehen, da sie aufgrund der Bedeutung des Bankensektors mit großer Wahrscheinlichkeit wieder gerettet werden. Ein effizienter Regelungsrahmen müsse daher für die Zukunft geschaffen werden.
Bei diesem Regelungsrahmen gibt es ein Problem: Wenn der Gesetzgeber will, dass der Finanzsektor geringere Risiken eingeht, dann muss er glaubhaft versichern, dass er bei drohender Insolvenz nicht eingreift. 
Da der Finanzsektor aber Risiken schafft bei deren Verwirklichung die Gesamtwirtschaft enorme Verluste erleiden würde, können die Akteure davon ausgehen, dass die betroffenen Institute gerettet werden müssten, da dies im Hinblick auf die drohenden volkswirtschaftlichen Verluste billiger ist. 
vgl. Randziffer 192 "Jahresgutachten 2009/2010 des Sachverständigenrates" 
Zynisch ausgedrückt: Gehe immer so hohe Risiken ein, dass bei deren Verwirklichung die gesamtwirtschaftlichen Verluste die der Kosten der "Rettung" der Bank übersteigen. Oder kürzer: Nehm die gesamte Volkswirtschaft oder gleich die Weltwirtschaft als Geisel.
Die Sorge um die "systemrelevanten" Banken bindet auch die Politik. Die Politik wird alles unterlassen was zu größeren "systemischen" Verlusten bei Banken führen kann; natürlich im Zweifel unter enormem Finanzeinsatz, an dem die Banken auch wieder verdienen - denn die Banken leihen ja dem Staat das Geld für die Rettungspakete. 
"Banken können immer mehr Staatshilfen erpressen" von Frank Thewes in Focus-Online vom 25.2.2010
Dies Spiel geht bis zum ultimativen Crash. Unsere Regierungen haben sich in der Absicht kurzfristige hohe volkswirtschafte Verluste abzuwenden mittels der "Rettungspakete" zu Gefangenen des Finanzsystems gemacht.
Marktzyniker meint: So hart es auch klingt: Man hätte 2008 die Banken fallen lassen müssen und zwar ohne Rücksicht auf Verluste. Sicherlich: Es wären auch dann enorme volkswirtschaftliche Verluste realisiert worden, aber die Rettungspakete haben eine Art Endlosschleife aus Risikogeschäft und "Rettungspaket" induziert. Diese Schleife wird sich bis an die Grenze der Belastbarkeit fortsetzen und dann in einem großen Crash enden.
Soweit darf es natürlich nicht kommen. Es gilt jetzt schnell Maßnahmen zu greifen. Warum nicht den Bankensektor verstaatlichen? Wenn dieser Sektor eine "Lebensader" jeder Volkswirtschaft ist, dann gehört er halt unter demokratische Kontrolle.

 

Kommentare:

  1. Banken verstaatlichen, die "gerettet" werden wollen oder müssen. Die anderen kommen aus eigener Kraft davon oder "gehen baden". Vorstände und Aufsichtsräte unter offensiver Ausnutzung bestehender Gesetze zur Verantwortung ziehen. Systemrelevant sind nicht die Banken sondern das demokratische System selbst. Es hat deshalb absoluten Vorrang vor der sogenannten Finanzindustrie!

    AntwortenLöschen
  2. Ein sehr interessantes Interview mit Prof. Wilhelm Hankel über Finanzkrise und die "vermeintliche Systemrelevanz" der Banken mit dem schönen Titel "Das Schlimmste kommt noch":

    http://www.youtube.com/watch?v=0m6u4YjStBU&feature=player_embedded

    AntwortenLöschen
  3. Hallo Zyniker,
    zum Schluß deiner Beiträge, die ich zum allergrößten Teil doch sehr lesenswert finde, steht bei dir immer der selbe Satz. Nämlich, Zitat Anfang: Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Schwarzgelb abgewählt werden muss. Zitat Ende. Das suggeriert jedoch das es noch irgendetwas zu wählen gäbe bei unseren Politclowns. Wäre es nicht richtiger, gesunder und klüger von abschaffen zu sprechen? Denk doch mal drüber nach.
    Gruß divingwing

    AntwortenLöschen
  4. @divingwing
    Hi divingwing,
    es freut mich, dass Du meine Artikel "lesenswert" findest, über Kritik, Verbesserungsvorschläge etc.pp freu ich mich immer! Gerne auch an marktzyniker@gmail.com
    Naja: Ich sage "abwählen", weil ich hier keine Wahlempfehlungen geben will, was ich wohl wähle wird sich eh jeder denken können.

    Naja...warum FDP und CDU/CSU abschaffen? Ich finde in der Opposition sind die ja ganz witzig! Darum Schwarzgelb zu Oppositions-Clowns!
    Schönen Abend aus Hamburg
    Andreas Marktzyniker
    Achso! Hast Du den Link mal geklickt?

    AntwortenLöschen
  5. Quatschkram !

    Banken können nicht verstaatlicht werden , da sie im Privatbesitz sind.
    Stellt sich denn KEINER die Frage: Wenn ALLE Staaten nur noch Schulden haben,-
    WER ist dann der Gläubiger ???

    Viel Spaß beim Denken !

    AntwortenLöschen
  6. In Sternchen moderiert von Marktzyniker
    ****keine Beleidigungen****

    Eine Regierung kann ALLES verstaatlichen, auch private Banken, du ***keine Beleidigungen*** !

    AntwortenLöschen
  7. @quatschkram
    Eine Verstaatlichung und auch eine Enteignung ist im Grundgesetz geregelt.

    AntwortenLöschen
  8. Die Geschichte zeigt, dass, sollte tatsächlich eine Regierung aus dem Ruder laufen und "systemrelevantes" Privatvermögen verstaatlichen ...

    Ich sage nur Allende, Lumumba, ...

    AntwortenLöschen