Montag, 15. März 2010

Credit default swaps Teil II - Ein gefährliches Instrument, was nur Spekulanten nützt

Im ersten Teil dieser Serie wurden die spekulativen Problematiken dargelegt die sich daraus ergeben, dass man als Inhaber eines Credit default swap auch dann einen Anspruch hat, wenn man gar nicht Inhaber der gesicherten Forderung ist. 
Der nun folgende Artikel stellt dar, dass der Kurswert eines Credit default swap keine Rückschlüsse auf die tatsächliche Bonität des Schuldners erlaubt. Die Theorie vom Frühindikator ist durch die Praxis widerlegt. 

Zum Verständnis dieses Artikels ist es erforderlich zunächst den ersten Teil dieser Artikelserie zu lesen.
"Credit default swaps - Ein gefährliches Instrument, was nur Spekulanten nützt Teil I" in Marktzyniker vom 18.11.2009
Oftmals wird argumentiert, dass Credit default swaps auch ein Gradmesser für die Bonität eines Schuldners sind (Frühindikatortheorie).
vgl. nur: "Was sind eigentlich Credit default swaps?" von Joachim Brunner auf be24.at vom 25.3.2009
Hinter diesem Argument steckt die Überlegung, dass die Nachfrage nach Versicherungen dieser Art und damit ihr Preis steigt, wenn sich die Bonität eines Schuldners verschlechtert. Der Preis eines Credit default swaps könne daher zeitnaher und genauer Aufschluss über die Bonität eines Schuldners geben als eine  Ratingagentur,
Information des Deutschen Derivate Verbandes über Spreads von Credit default swaps
deren Bonitätsnoten im wesentlichen auf einer Rückschau und statistischen Bewertungen beruhe.
Es gelte daher zumindest "grundsätzlich": Je geringer der Preis des Credit default swap, desto solventer der Schuldner und umgekehrt.
Andere gehen nicht so weit und behaupten nur, das Credit default swaps lediglich Informationen darüber transportierten, wie Marktteilnehmer einen Schuldner beurteilen, so etwa Jochen Felsenheimer in einem Interview mit Investment.com.
"Gehandelte Risiken – alles über Credit Default Swaps (CDS)" Interview mit Andreas Scholz auf der Website: Investment.com vom 10.2.2010
Und hier liegt das Problem. Auch Anleger können irren und verfügen insbesondere über einen starken Herdentrieb. Dieser Herdentrieb zeichnet sich dadurch aus, dass Anleger der Masse folgen ohne Rechercheergebnisse oder anderslautende Signale zu beachten.
"Herdentrieb verstärkt den Trend an den Börsen" von Regine Palm in Handelsblatt-Online vom 8.9.2004
Dieser Herdentrieb ist typisch für Spekulation. Erst wird in einem Geschäftsfeld investiert dann folgen Zweifel, mit der Folge das Geld abgezogen wird und damit der Absturz bewirkt wird.
"Herdentrieb und verlorenes Vertrauen" in Berliner Zeitung vom 31.3.2008
Die Gründe für den Herdentrieb müssen nicht irrational sein. Es kann sein, dass die Finanzmarktakteure hinsichtlich der Qualität der Informationen unsicher sind und sie sich deshalb in die Hoffnung flüchten, dass die gemeinsame Wette zu einem Erfolg führt. Soweit es sich um berufsmäßige Anlageentscheider handelt, kommt noch die Sorge um den eigenen Job hinzu. Es ist leichter gegenüber dem Chef zu vertreten, dass man den gleichen Fehler wie viele Andere gemacht hat, als eine gescheiterte einsame Entscheidung vertreten zu müssen.
"Anleger sind doch keine Schafe" in nzz-online vom 30.12.2005
I. Lehman
So auch im Fall Lehman: Erst anlässlich des Endes von Lehmann stiegen die Preise für Credit default swaps auf Verbindlichkeiten auf 790 Basispunkte und in Folge der Panik stiegen auch die Risikoprämien  für die Absicherung europäischer Werte auf 130 Basispunkte.
"Kreditderivate: Lehman-Pleite wirbelt Markt durcheinander" von Andre Cünnen in Handelsblatt-Online vom 15.9.2008
Dabei war schon im März 2008 der "Spread" auf Credit default swaps auf Lehman-Verbindlichkeiten auf  400 Punkte gestiegen, ein Umstand den nun Rechtsanwälte bei Schadensersatzklagen von Anlegern den Banken vorhalten, welche Lehman-Zertifikate verkauft haben.
"Wussten Banken früher vom Zusammenbruch von Lehman-Brothers" von Rechtsanwalt Claude Dawood auf prcenter.de vom 8.10.2008
Und überhaupt: Schon 2007 gab es Berichte darüber, dass Lehman und eine Reihe anderer amerikanischer Banken sich wegen einer Hypothekenkrise aus dem Geschäft mit schlechtbesicherten Krediten zurückzögen und viele Angestellte entließen.
"Kreditkrise: Lehman Brother steigt aus" in Managermagazin-Online vom 23.8.2007
Warum stiegen die Kurse der Credit default swaps auf die Verbindlichkeiten von Lehman erst ein halbes Jahr später und warum wurde auch dann offenbar immer noch auf "buisness as usual" gemacht? War es der Glaube an Lehman? War die Pleite von Lehman undenkbar? Oder warum "sprachen" die Spreads erst am Ende die "Wahrheit"?
II. Griechenland
Ebenso der Fall Griechenland. Es scheint im Moment allgemeine Meinung zu sein, dass Griechenland seine Misere wegen einer angeblich laxen Haushaltsführung selbst zu verantworten habe, obgleich eine Studie der EZB zu dem Ergebnis kommt, dass die Hauptursache in der "Rettung" der Banken infolge der Finanzkrise nach Lehman liegt.
"EZB-Studie: Die wahren Ursachen der griechischen Tragödie" von Norbert Häring in Handelsblatt-Online vom 28.1.2010
Man betrachte die Entwicklung des Preises für Credit default swaps auf griechische Staatsanleihen an Hand des Diagramms in diesem Artikel:
Infografik auf Handelsblatt.com: "Wie der Druck auf Griechenland zunimmt"(Unbedingt in separatem Fenster öffnen"
Schon im November 2009 "gestand" die neugewählte griechische Regierung, dass das Staatsdefizit doppelt so hoch sei, wie von der konservativen Regierung behauptet.
"EU verärgert über Athens Schummelei" von Wissen.de/Nachrichten vom 9.11.2009
Ein Blick auf die Grafik zeigt im November nur einen leichten Anstieg. So dann kommen Anfang Dezember 2009 irgendwelche Ratingagenturen zu dem Ergebnis, dass Griechenlands Bonität gesunken sei
"Rating Agentur Fitch: Griechenland büßt an Kreditwürdigkeit ein" in Spiegel-Online vom 8.12.2009
Wieder nur ein leichter Anstieg der Basispunktzahl und sogar Mitte Dezember ein leichter Rückgang auf welchem ein steiler Anstieg folgt, welcher sich dann bei rund 280 Basispunkten stabilisiert.
Um die Jahreswende ein leichter Rückgang und dann scheinen ab Mitte Januar 2010 die Dämme zu brechen: Zwei kleine Rückgänge und Ende Januar wieder ein plötzlicher und steiler Anstieg auf über 400 Basispunkte.
Wie kann das angehen? Wenn Credit default swaps so "objektiv" wären, hätten diese doch eigentlich schon vor Jahren explodieren müssen oder spätestens dann, als das Haushaltsdefizit "eingestanden" worden war. Selbst nach dem Down-Rating kein extremer Anstieg und selbst das Rating wurde nicht durch die Credit default swaps "vorhergesehen".
Vieles deutet daraufhin, dass zumindest im Zeitraum Januar/Februar Spekulanten ihre Hände im Spiel hatten. Ende Januar wollte sich die griechische Regierung acht Milliarden Euro zu sechs Prozent auf dem Kapitalmarkt leihen. Die Anlage war mehrfach überzeichnet. Natürlich kauften auch die Gläubiger Credit default swaps. Gleichzeitig gab es aber Gerüchte, dass sich auch viele "Nicht-Gläubiger" mit Credit default swaps eindeckten und gleichzeitig die Angst vor einer Staatspleite schürten um den Spread dieser Swaps zu erhöhen.
"Griechenland im Griff der Spekulanten" am Ende von Birgit Voigt in Neue Zürcher Zeitung-Online vom 13.2.2010
Ob hier wirklich Spekulanten am Werk waren, ist umstritten. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) meinte am 8.3.2010 das im Falle Griechenlands keine Hinweise auf eine massive Spekulation vorlägen, es bestehe lediglich eine erhöhte Nachfrage nach Absicherungen des griechischen Länderrisikos.
"Bafin - Bafin stellt klar: Bislang keine Anhaltspunkte für massive Spekulation gegen griechische Anleihen" Pressemitteilung der Bafin vom 8.3.2010
Dagegen berichtete der Spiegel schon im Februar 2010, dass massiv gegen Griechenland spekuliert würde. Banken hätten im großem Umfang Credit default swaps gekauft, um die Kurse für diese Papiere zu steigern. Durch diesen Kursanstieg könnten Anleger den nicht unbedingt richtigen Schluss ziehen, dass es um den griechischen Staatshaushalt noch schlechter stünde.
"Riskante Kreditversicherung: Großbanken spekulieren mit Griechenlandkrise" in Spiegel-Online vom 25.2.2010
Marktzyniker meint:  Ob es sich im Falle Griechenlands um einen spekulativen Angriff gehandelt hat, kann Marktzyniker nicht abschließend beurteilen, dies wird sich in den nächsten Tagen herausstellen. Fakt ist, dass inzwischen die us-amerikanische Federal-Reserve die Vorgänge untersucht
"Fed prüft auf griechische Staatspleite" auf Tagesschau-Online vom 25.2.2010
und dass eine Menge Indizien für eine spekulative Attacke sprechen.
Griechenland war ein "ideales Opfer" für einen solchen Angriff. Grade weil der Markt für griechische Credit default swaps mit einem Volumen von neun Milliarden US-Dollar im Verhältnis zur griechischen Staatsverschuldung relativ klein war, 
Eine Spekulation deswegen verneinend: "Die Suche nach dem Sündenbock" in nzz-online vom 15.3.2010 
war er besonders zur Spekulation geeignet: Ein "enger" Markt reagiert verhältnismäßig stark auf einzelne Handelsbewegungen. Insoweit ist es für einen spekulativ orientierten Marktteilnehmer möglich mit verhältnismäßig wenig Kapitaleinsatz die Kurse für die besagten Credit default swaps nach oben zu pushen und damit den Eindruck der anderen Marktteilnehmer von der griechischen Solvenz zu verschlechtern:
Bedenkt man, dass beispielsweise ein Kurs von 200 Basispunkten bedeutet, dass es 2 Prozent der versicherten Forderungssumme kostet diese mittels eines Credit default swaps zu versichern, so wäre diese Absicherung pro Milliarde für "nur" zwanzig Millionen US-Dollar zu haben. Natürlich nur theoretisch: Natürlich würde jede Kaufaktivität den Kurs sofort steigen lassen. Mit dem Ergebnis, dass die Teilnehmer am Finanzmarkt von einer Solvenzverschlechterung ausgehen und zwar bezogen auf den Schuldner im ganzen. Steigt das (scheinbare) Ausfallrisiko eines Schuldners, so können die Credit default swaps mit Gewinn weiterverkauft werden.
Wenn die Kurse der Credit default swaps -wie dargelegt- steigen, dann "signalisiert" dies dem Finanzmarkt eine höhere Ausfallwahrscheinlichkeit, mit der Folge, dass Investoren die Anleihen verkaufen, was wiederum zu fallenden Kursen bei den Staatsanleihen führt, die ihrerseits als Indiz für eine Solvenzverschlechterung vom "Markt" aufgefasst werden.
Abschließend lässt sich damit feststellen, dass Credit default swaps kein Frühindikator sind. Vielmehr reagieren sie nur auf allgemein bekannte Ereignisse und verstärken diese. Sie eröffnen gefährliche spekulative Angriffsmöglichkeiten, da mit verhältnismäßig wenig Kapital große Handelsbewegungen ausgelöst werden können.

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Schwarzgelb abgewählt werden muss.

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