Mittwoch, 3. März 2010

Hartz IV wirkt - Bruttoeinkommen gesunken !

Nun ist es also amtlich: Die Bruttoeinkommen in diesem unserem Lande sinken. Doch keine Sorge: Unser chronisch eigenkapitalschwaches Unternehmertum darf weiter jammern. Die Stundenlohnkosten sind gestiegen, zumindest statistisch. Wie es zu diesem Paradoxum gekommen ist, legt folgender Beitrag dar:
Endlich eine gute Nachricht für dieses unsere chronisch eigenkapitalschwache Unternehmertum.
Erstmals seit Gründung der Bundesrepublik sind die Bruttoverdienste gesunken, so der Titel einer Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes.
"2009: Bruttoverdienste sinken erstmals seit Gründung der Bundesrepublik" Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes vom 3.3.2010
Hartz IV scheint also zu wirken. Der Traum unseres Unternehmertums wird wahr. Hartz IV als heimlicher Kombilohn scheint endlich Früchte zu tragen. Wenn der Lohn nicht zum Leben reicht, darf der Steuerzahler aufstocken. Schon ein Sechstel der in den Hauptberufen tätigen Arbeitnehmer verdienen unter acht Euro.Und auch der Steuerzahler darf sich freuen: Rund eine halbe Million der Hungerlöhner machen ihren Aufstockungsanspruch nicht geltend, da sie offenbar aus Scham oder Stolz keinen Antrag auf ergänzende Sozialleistungen stellen.
Um ganze 0,4 Prozent seien die Bruttolöhne gesunken, wobei 0,2 Prozent dem Umstand geschuldet seien, dass der Arbeitgeberbeitrag zur Krankenversicherung nicht mehr als Lohnbestandteil gezählt werde. Da seit Anfang 2009 in Deutschland eine Pflicht zur Krankenversicherung bestehe, sei der Arbeitgeberbeitrag kein Lohnbestandteil mehr, sondern ein "Arbeitgebersozialbeitrag".
Marktzyniker meint:  Ein schöner Tag dieser 3.3.2010, zumindest für alle, die nicht auf einen auskömmlichen Lohn angewiesen sind und ihren Lebensunterhalt durch Ausnutzung von Human- und sonstigen Kapital bestreiten.
Denoch ein kleiner Wermutstropfen für das chronisch eigenkapitalschwache Unternehmertum: Trotz sinkender Löhne seien die Stundenlöhne gestiegen. Ursache sei der Abbau von Überstundenkonten, so dass Statistische Bundesamt: Die Arbeitnehmer hätten nunmehr das Entgelt für in den Jahren zuvor geleisteten Stunden erhalten.
Sehr interessant diese Sichtweise:  Der Abbau oder die Auszahlung von bisher unbezahlten Überstunden von anno dazumal führe zu einer Steigerung der Stundenlohnkosten von heute.   Eine diskussionswürdige These. 
Aber ist es nicht eher so, dass ein Überstundenkonto ein Kredit des Arbeitnehmers an das Unternehmertum ist?  
Immerhin die Arbeitsstunden werden zunächst ohne Zahlung von Lohn geleistet, aber das hergestellte Produkt oder die Dienstleistung dem Kunden sofort in Rechnung gestellt. Das Unternehmertum kann also zunächst kassieren und braucht erst später den Lohn zahlen: Produziere und kassiere heute und zahle später! Folglich ist ein gutes Überstundenkonto eher ein Kredit des Arbeitnehmers an das Unternehmertum. Billiges Geld für das Unternehmertum, da es nicht verzinst wird. Und oft ist dieser zinslose Kredit des Arbeitnehmers auch schlecht gesichert.  Die gesetzlich vorgeschriebene Insolvenzabsicherung wird oft vom Unternehmertum vergessen.
Etwas Gutes hat die Krise also: Endlich werden mal die Überstunden bezahlt oder zumindest abgebummelt . Besser als gar nichts, oder?


Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Schwarzgelb abgewählt werden muss.

Kommentare:

  1. Sehr interessanter Artikel. Alles ist prima erklärt.

    AntwortenLöschen
  2. Überstunden als Kredit des AG am AN zu interpretieren ist ein völlig neuer Gedanke. Cool!

    Aber bei dem erstmals sinkenden Brutto-Einkommen gibt's anzumerken: Der rein statistische Effekt aus der neuen Verbuchung von Beiträgen zur privaten Krankenversicherung schlägt mit 0,2 Prozent zu Buche UND nicht die tariflichen Bruttolöhne sind gesunken, sondern die effektiv gezahlten Entgelte, was auch auf die Kurzarbeit zurückzuführen ist. mich wundert der sinkende statistische Wert also nicht, gerade weil die Wirtschaft in 2009 um 5 Prozent sank!

    AntwortenLöschen
  3. @m.hh du meinst sicher "Kredit AN für den AG". Hmm ich weiß jetzt leider nicht, inwieweit das Kurzarbeitergeld in die Rechnung eingegangen ist, ich werds in nächster Zeit mal untersuchen.

    Und würde man die Manager aus der Studie rausnehmen, dann wäre in der Masse ein heftiger Gehaltsrückgang zu verzeichnen...Werde es bei Gelegenheit mal untersuchen

    AntwortenLöschen
  4. das mit dem kredit: richtig! andersrum wird'n schuh draus.
    was die manager-gehälter angeht: festbezug oder festbezug+boni-ansprüche?

    AntwortenLöschen