Dienstag, 2. März 2010

Kreditklemme - Ein oft hausgemachtes Problem

Eine neue Angst geht um in Deutschland. Unser stolzes Unternehmertum hat Angst vor einer sogenannten "Kreditklemme". Die Lage muss wirklich ernst sein: Uns Brüderle hat sogar einen "Kreditmediator" ernannt. Doch warum eigentlich diese Angst? Ein solider Unternehmer wird doch in guten Zeiten seine Darlehen beglichen und für die "Not" gespart haben, oder etwa nicht?
Ungewöhnliche Zeiten erfordern ungewöhnliche Schritte. Offenbar schaffen es große Teile unseres Unternehmertums zur Zeit nicht mehr, den Kreditsachbearbeiter ihres Vertrauens von der Solvenz und der Zukunft ihres Geschäftes zu überzeugen. Anders ist es nicht zu erklären, dass unser Wirtschaftsminister Brüderle nun einen Kreditmediator eingesetzt hat. Dieser Mediator soll zwischen Banken und Unternehmern vermitteln, wenn es bei der weiteren Unternehmensfinanzierung Probleme gibt.
Dieser Mediator wird zwar dem Steuerzahler runde fünf Millionen Euro kosten,
aber was solls? Der Zweck heiligt die Mittel! Unser Unternehmertum soll weiter auf Pump wirtschaften können.
Obgleich Wirtschaftsminister Brüderle zur Zeit keine "flächendeckende" Kreditklemme zu sehen meint,
"Brüderle: Banken-Korrekturbedarf wohl auch wegen Griechenland" in der Der Aktionär-Online vom 25.2.2010
ist das deutsche Unternehmertum für seine chronische Eigenkapitalschwäche gerade zu berühmt berüchtigt. So lag die durchschnittliche Eigenkapitalausstattung deutscher Unternehmen im Jahre 2007 nur bei 25,5 Prozent.
Seite 2 der Veröffentlichung: "EIGENKAPITAL IM MITTELSTAND UND FINANZIERUNG IN DER AKTIUELLEN KRISE" in KFW-Akzente vom Juli 2009
Selbst die vielgelobten Familienunternehmen wirtschafteten in 2007 nur zu 31 Prozent mit eigenem Kapital.
"Deutsche Bank prophezeit einen Anstieg der Kreditkosten" von Frank M. Drost und Wolfgang Gillmann in Handelsblatt-Online vom 18.2.2010
Da braucht es sich nicht zu wundern, dass im Jahre 2010 offene Refinanzierungsfragen zu einem "Mühlstein" für die Unternehmen werden.
vgl. "Pleitewelle: Experten fordern Reform des Insolvenzrechtes" von Carsten Dierig und Frank Seidlitz in Welt-Online vom 3.2.2010
Obgleich Eigenkapital als beste Versicherung gegen Zahlungsschwierigkeiten gilt und beispielsweise die Firma Creditreform einen Eigenkapitalanteil von mindestens einem Drittel empfiehlt,
"Eigenkapitalquote von Handwerksbetrieben sinkt, Zahl der Insolvenzen steigt" von vnr.redaktion in vnr.finance vom 1.4.2005
zeigte das deutsche Unternehmertum in der Vergangenheit häufig wenig Interesse, sich um das Thema Eigenkapital zu kümmern. Noch im Jahre 2004 stellte eine Studie fest, dass sich nur ein Viertel des deutschen Unternehmertums überhaupt ein Eigenkapitalziel gesetzt hat.
Offenbar erst unter dem Eindruck von Basel II 
erwachte dieses unsere Unternehmertum aus seinem Dornröschen-Schlaf und steigerte von 1998 bis 2007 seine durchschnittliche Eigenkapitalquote von 17,5 Prozent auf 25,5 Prozent im Durchschnitt.
Seite 2 der Veröffentlichung: "EIGENKAPITAL IM MITTELSTAND UND FINANZIERUNG IN DER AKTIUELLEN KRISE" in KFW-Akzente vom Juli 2009
Marktzyniker meint: Wenn unser Unternehmertum es nunmehr schwer hat Kredite zu bekommen, so sind diese Probleme hausgemacht.  
Irgendwann gibt es halt keinen Kredit mehr. Insoweit erscheint es schon fast grotesk, dass eine durchschnittliche Eigenkapitalquote von einem Drittel als großer Erfolg gefeiert wird. Man würde sicherlich nicht so (zweck-?)optimistisch in die Zukunft sehen, wenn man diese Aussage dahingehend wendet, dass unser Unternehmertum zu zwei Dritteln im Schnitt auf Pump wirtschaftet.
Man mag von Basel II halten was man will und auch Marktzyniker glaubt nicht an irgendwelche Ratings, von wem auch immer. Aber eines steht fest: Ohne Basel II wäre dieser privatwirtschaftliche Eigenkapitalschlendrian fortgesetzt worden und ein großer Teil dieses unseren Unternehmertums stünde heute noch nackter da.
Sicherlich gibt es gute Gründe der wirtschaftlichen Vernunft für ein Unternehmen sich zu verschulden: Etwa wenn es in Forschung investiert.  So beliefen sich die Forschungsausgaben im Jahre 2008 auf ca. 28,5 Milliarden Euro,
dieser Summe standen jedoch Werbeausgaben in Höhe von 30,83 Milliarden im gleichen Zeitraum gegenüber. 
Großen Anstrengungen auf dem Gebiete der Produktinnovation wird die Eigenkapitalschwäche daher nicht geschuldet sein.
Vielmehr drängt sich der Verdacht auf, dass die Eigenkapitalschwäche aus der Aversion unseres Unternehmertums gegen die Zahlung von Steuern herrührt. So beklagt eine "Stimme der ökonomischen Vernunft" der INSM die steuerliche Bevorzugung von Fremdkapital gegenüber Eigenkapital.
Offenbar liegt hier der Hase im Pfeffer: Unser Unternehmertum hat wegen der achso schlimmen Steuern sich lieber ordentlich verschuldet, als dem Staat auch nur einen Cent zu viel zu zahlen.
Völlig falsch und unfair wären aber nun staatliche Eingriffe oder etwa eine Aufweichung der Basel II-Anforderungen, wie sie etwa Hans Peter Friedrich von der CSU fordert.
Ein solches Vorgehen würde die solide wirtschaftenden Unternehmer benachteiligen, welche im Hinblick auf den Aufbau eines Eigenkapitalpolsters höhere Steuerzahlungen in Kauf genommen haben.  Dies wäre eine Wettbewerbsverzerrung zu Ungunsten grade der vorausschauend handelnden Unternehmer.
Ebensowenig darf eine "Kreditklemme" zu einer weiteren Inanspruchnahme von Steuergeldern führen. Unter gar keinen Umständen darf es dazu kommen, dass der darniederliegende Verbriefungsmarkt zwecks Vermeidung einer Kreditklemme in irgendeiner Form vom Steuerzahler subventioniert wird.

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Schwarzgelb abgewählt werden muss.

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