Mittwoch, 31. März 2010

Von Hayek - Die gruseligen Ansichten eines liberalen Marktrambos

Beschäftigt man sich mit dem Liberalismus, so stösst man schnell auf Friedrich August von Hayek. Laut Wikipedia einer der bedeutesten Denker des Liberalismus im 20. Jahrhundert. Insbesondere liberale Politiker sehen in von Hayek einen Vordenker der sozialen Marktwirtschaft. Dabei sind von Hayeks Ansichten zumindest als gruselig zu erachten.

Eines kann man von Hayek wirklich nicht vorwerfen, dass er zimperlich ist. Schon 1981 klare Worte an die Weltbevölkerung:
"Gegen die Überbevölkerung gibt es nur die eine Bremse, nämlich daß sich nur die Völker erhalten und vermehren, die sich auch selbst ernähren können"
"Wenn wir garantieren, daß jedermann am Leben gehalten wird, der erst einmal geboren ist, werden wir sehr bald nicht mehr in der Lage sein, dieses Versprechen zu erfüllen"
"Der Generationenquatsch" von Helmut Höge auf blog.taz.de vom 13.7.2007
Na, dann: Rette sich wer kann. Auch ansonsten äußerst krude Ansichten zur Demokratie, welche mit Art 20 Abs.1 Grundgesetz  -wonach die Bundesrepublik ein demokratisch und sozialer Bundesstaat ist-  schwerlich vereinbar sind:
"Wahr ist nur, daß eine soziale Marktwirtschaft keine Marktwirtschaft, ein sozialer Rechtsstaat kein Rechtsstaat, ein soziales Gewissen kein Gewissen, soziale Gerechtigkeit keine Gerechtigkeit - und ich fürchte auch, soziale Demokratie keine Demokratie ist."
"Absage an den Wohlfahrtsstaat" von Klaudia Prevezanos auf Zeit-Online 1999 
Konsequent auch sein Staatsverständnis:
"Der Staat hat die äußere und innere Sicherheit zu gewährleisten, vor allem den Schutz des Privateigentums, auf dem unser Gesellschaftssystem beruht. Er darf auch sogenannte soziale Dienste anbieten wie Renten - oder Gesundheitsversicherung. Er darf seine Bürger sogar dazu zwingen, sich zu versichern. Nur er darf kein Monopol auf diese Versicherung haben."
"Friedrich August von Hayek" Blogbeitrag zum 15. Todestag auf "apart smart" vom 23.03.2007
Und man höre und staune:
"Es gibt keinen Grund, warum der Staat in einer freien Gesellschaft wie der unseren, die es sich leisten kann, diese Menschen nicht vor Elend bewahrt, indem er ihnen ein minimales Einkommen gewährt." 
"Friedrich August von Hayek" Blogbeitrag zum 15. Todestag auf "apart smart" vom 23.03.2007
Marktzyniker meint: Na immerhin: Der Staat "dürfe" seine Bürger sogar in eine Kranken- oder Rentenversicherung "zwingen". Und selbst Kranken und Erwerbsunfähigen sollte ein minimales Einkommen gewährt werden, zumindest solange es sich die "freie Gesellschaft" leisten kann. Macht ja auch Sinn: Wem würde sein "Hummer to go" noch schmecken, wenn die Straßen voller Hungerleider wären?  
Aber vorallem habe der Staat das Privateigentum zu schützenauf welchem unsere Gesellschaft beruhe. Wessen Gesellschaft meint er? Die Weltgesellschaft, welche sich seiner These nach um die "knappen" Resourcen prügeln soll? Oder etwa die Gesellschaft seiner liberalen Kumpels?  
Wie dem auch sei: Hayeks Theorien zielen darauf ab, alles "Soziale" aus der Marktwirtschaft zu eleminieren, es bliebe am Ende nur die Freiheit zu kaufen und verkaufen, sofern man Geld hat.
so auch "Visionen des Einäugigen" von Werner Vontobel in Cicero-Online
Ist der Mensch wirklich so zynisch, dass er den täglichen 100.000fachen Hungertod als marktwirtschaftliche Notwendigkeit oder zumindest als wirtschaftlich vernünftig ansehen kann?
vgl. hierzu den makaberen Schluss in "Der Generationenquatsch" von Helmut Höge auf blog.taz.de vom 13.7.2007 
Hoffentlich denken nur die "Liberalen" so! 

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Schwarzgelb abgewählt werden muss.

Kommentare:

  1. Der "100.000fache Hungertod" täglich ist sicherlich keine marktwirtschaftliche Notwendigkeit, denn er passiert hauptsächlich in Staaten, die sich einer funktionierenden Marktwirtschaft* verweigern (Nordkorea, Äthiopien, zentrales und südliches Afrika).

    * und um nicht gleich als liberaler Propagandist beschimpft zu werden: damit meine ich jedes westliche Wirtschaftsmodell von der "neoliberalen" Schweiz bis zum "sozialistischen" Schweden.

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  2. @SDS Auch in Indien wird gehungert, in Cuba nicht. So einfach ist die Welt dann doch nicht. Es gibt mehr Gründe als die Wirtschaftsform. Einige afrikanische Staaten sind streng genommen das Ideal der Extremliberalen. Keine Gesetze, außer die des Stärkeren. Nur sieht man in diesen Ländern sehr deutlich, dass der Besitz auch nicht viel gilt. Für mich ein klares Zeichen, dass ein zu schwacher Staat das liberale Model kaum stabil halten kann.

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  3. Ja, so einfach ist die Welt dann doch nicht. Da hast du ganz Recht. Nämlich klischeehaft zu behaupten, dass afrikanische Staaten in denen korrupte Bürokraten das Volk berauben, ein extremliberales Ideal seien, ist genau so wenig zutrefen, wie die Aussagen, dass ein Sozialdemokrat den Stalinismus wieder zurück will. Das Beispiel Indien ist aber unglücklich gewählt, da der "indische Sozialismus" (was nicht Planwirtschaft, aber massive Staatsinterventionen, Staatswirtschaft und strikter Protektionismus bedeutet) wie er dort liebevoll genannt wurde und bis in die 80er Jahre praktiziert wurde, einen großen Teil zur wirtschaftlichen Rückständigkeit Indiens beigetragen haben. Erst die marktliberalen Reformen haben eine Verbesserung der Lebensqualität, vor allem für die indische Unter- und Mittelschicht, gebracht.

    Wie viel Staat man braucht, dass weiß ich nicht. Es ist mir eigentlich auch ziemlich egal. Ich halte alles im Bereich einer 20%igen bis 60%igen Staatsquote für tragbar, es kommt nur darauf an wie es umgesetzt wird.

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  4. Darauf kann man sich einigen. Wie es umgesetzt wird. Im Moment in meinen Augen nicht besonders gut. Das Beispiel einiger afrikanischer Länder zeigt aber wohin die Reise geht, wenn man zu viele Gesetze abschafft. Irgendwelche Bürokraten oder Privatleute beuten den Rest aus. Ihnen ist das Vertragsrecht oder Eigentumsrecht dann herzlich egal.

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  5. Ich Studiere Soziologie mit Schwerpunkt Globalisierung und int. Politik. Dort erfuhr ich etwas über das Verhältnis von Demokratie, Marktwirtschaft und Wohlfahrtsstaat. Ergebnis ist: Marktwirtschaft und Demokratie widersprechen sich. Eine Demokratie neigt immer zu Sozialpolitik und der Herrschafft der Mehrheit. Diese wollen natürlich dann eben Versicherungen und Arbeitsplatzsicherheit. Dies steht aber im krassen gegensatz zur Marktwirtschaft. Das sieht man auch in der Argumentation Hayeks, allerdings aus der ökonomischen Perspektive, die hier auch sehr scheuklappenmäßig verwendet wird, was aber heutzutage üblich ist, bei BWLern und VWlern.

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  6. "Ergebnis ist: Marktwirtschaft und Demokratie widersprechen sich."
    Das ist etwas was viele Liberale niemals zugeben würden. Ihr Ideal funktioniert nur, wenn alle Marktteilnehmer die gleichen Chancen und Informationen haben. Das ist aber unrealistisch.

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  7. Der Beitrag und die Kommentare dazu zeigen nur, dass der Autor NULL Ahnung von Liberalismus hat. Was hier versucht wird verächtlich zu machen ist das typisch linkspopulistische Zerrbild des Liberalismus und hat wenig mit Hayek zu tun.

    Die übliche Methode: indigniertes Empörtsein statt Nachdenken. Herausgegriffene Einzelsaetze statt Argumente.


    Zu den einzelnen Legenden:

    1. Keiner der afrikanischen Staaten kommt den Liberalismusideal auch nur nah, sie sind vielmehr Antiliberal. Liberalismus weder einen schwachen Staat noch alle Gesetze abschaffen, was man schon daran erkennt dass er die innere Sicherheit und Recht garantieren soll. Viele afrikanische Regierungen nennen sich übrigens sogar selbst kommunistisch/sozialistisch. Und ja: auch Indien war bzw ist immer noch sehr sozialistisch. Und richtig: Je sozialistischer desto mehr Armut und Hunger, GRADE fuer die Unterschicht.

    2. Wer denkt es kommt auf die Anzahl der Gesetze an sollte nochmal nachdenken. Wichtig ist vielmehr, dass es die richtigen Gesetze sind.

    3. Demokratie und Marktwirtschaft widersprechen sich nicht zwingend. In vielen Ländern ist das aber tatsächlich so, v.a. weil Politiker gewählt werden die der Waehlermasse soziale Geschenke versprechen. Um die dann zu realisieren braucht es natürlich Enteignung durch Zwang und Gewalt, heute recht subtil durch sog. "Steuern" realisiert (prinzipiell auch ok, nur viel zu hoch, aktuell arbeitet man ca 50% der Zeit fuer den Staat in DE). Ein dazu passendes schoenes Zitat:

    "Democracy: 9 out of 10 persons enjoy gang rape"

    Der Widerspruch laesst sich aber aufloesen indem man Demokratie (zB durch eine gute Verfassung) auf das noetige beschraenkt und den Rest der freien Entscheidung der einzelnen Buerger ueberlaesst.


    4. Das ist total falsch, ganz im Gegenteil: Marktwirtschaft ist das einzige System, dass auch ohne perfekte Information und Gleichheit gut funktioniert. Dass grade sozialistische Regime daran Scheitern sieht man an den tollen Ergebnissen der Planwirtschaft, wo staendig Leute verhungern weil falsch geplant wurde.
    Klar machen die einzelnen Marktteilnehme im Kapitalismus auch Fehler, aber die sind in ihrer Auswirkung dann sehr begrenzt und durch den Wettbewerb überleben grade die effizienten Betriebe.


    Der Ursprungsbeitrag ist ganz besonders stupide weil die genannten Zitate die Thesen nicht stützen sondern genau das Gegenteil der Fall ist. Nach den Zitaten ist doch zB Sozialhilfe fuer Hayek durchaus OK. Wenn man es uebertreibt verkehrt sich der Sozialstaat ins Gegenteil, beispiel DE: Was ist Sozial daran wenn man jemandem der eh schon kaum genug verdient um seine Familie zu ernaehren auch noch 30-60% an Steuern und Abgaben fuer diverse Zwangsversicheurngen etc abnimmt? Deshalb sagt Hayek - zurecht - dass soziale Marktwirtschaft unsozial ist

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