Freitag, 9. April 2010

Ölpreisspekulation - Wie geht das?

Obgleich zur Zeit nicht von einem Wirtschafts-Boom gesprochen werden kann, macht das Autofahren im Moment keinen Spaß. Die Ölpreise steigen schneller, als die Freude am Fahren des neuen, mittels Abwrackprämie finanzierten Autos. Marktzyniker plädiert für eine Rationierung von Kraftstoffen.
Sehr rätselhaft der momentane Benzinpreisanstieg. Zehn Prozent Preisanstieg in einer Woche lassen zunächst auf eine Preisabsprache der Mineralölkonzerne schließen. Doch obgleich EU-Beamte den deutschen Markt untersuchen, so können auch diese nicht erklären, warum grade in Deutschland die Kraftstoffpreise so erheblich steigen. Auch konnten trotz intensiver Suche bisher keine Indizien entdeckt werden, welche auf eine Preisabsprache hindeuten.
Eine solche Absprache ist bei den Benzinpreisen auch schwerlich nachzuweisen, da jeder Tankstellenpächter die Preise seiner Konkurrenten ohne weiteres beobachten kann. Dieses "Abgucken" ist im Gegensatz zu Absprachen nicht verboten.
Es steht damit zu erwarten, dass die Ermittlungen des Kartellamtes in der Angelegenheit "Benzinpreis" ins Leere gehen werden.
Selbst ein abgestimmtes Verhalten, also ein stillschweigendes Erhöhen des Benzinpreises ohne rechtliche Bindung oder Absprache,
Gabler Verlag (Herausgeber), Gabler Wirtschaftslexikon, Stichwort: abgestimmtes Verhalten, online im Internet
würde die Mineralölindustrie sehr leicht bestreiten können. Die betroffenen Unternehmen werden sich auf gestiegene Rohölpreise berufen und grade im Moment ist auch der gestiegene US-Dollar-Kurs ein gutes Argument und natürlich auch die Steuern...
vgl. "Benzinpreis-Debatte: Ölindustrie oder Staat – wer ist der größere „Abzocker“?" in Handelsblatt-Online vom 30.03.2010 
Und schließlich und endlich könnten sich die Mineralölkonzerne darauf berufen, dass sie lediglich abgeguckt hätten. Wer will einem Kaufmann verbieten die Konkurrenz zu beobachten? Insoweit wird sich auch das von Schwarzgelb geplante Zerschlagungsgesetz als reiner Papiertiger erweisen, da der Zerschlagungstatbestand, nämlich die Verletzung kartellrechtlicher Normen schwerlich nachzuweisen sein wird.
so auch die Einschätzung von Christian "Benzinpreise: Koalition prüft Maßnahmen gegen Mineralölkonzerne" auf Meinungsblog.de
Nun gut: Steuern sind immer eine gute Ausrede und sicherlich der US-Dollar-Kurs wird mitursächlich sein. Interessanter aber ist der Hinweis auf das Ansteigen des Rohölpreises, dieser scheint sich in der Tat irgendwie von der allgemeinen Wirtschaftsentwicklung abgekoppelt zu haben.
Eigentlich gäbe es im Moment keine Gründe für einen steigenden Ölpreis. Die Produktion ist hoch, die Lager gut gefüllt, Förderkapazitäten sind frei und die Nachfrage hält sich in Grenzen.
"News Spekulationen treiben den Ölpreis nach oben" auf Stern-online vom 8.4.2010
Warum fällt der Ölpreis also nicht? Offenbar sind auch auf diesem Markt Spekulanten am Werk. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Hamburger Agentur Agentur EnergyComment, welche die Bundestagsfraktion von Bündnis90/Grüne dort in Aufrag gegeben hat.
Die Studie stellt fest, dass es sich bei dem Rohölmarkt um einen hybriden Markt handelt. Er ist eine Mischung aus Rohstoff- und Finanzmarkt.
Seite 2 "Überhöhte Spritpreise durch Spekulation an den Rohölmärkten" von Dr. Steffen Bukold, EnergyComment Hamburg im Auftrag der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Grüne
Die auf diesem Markt agierenden Teilnehmer lassen sich grob in zwei Gruppen aufteilen. Die sogenannten "Hedger" -welche nicht mit "Hedgefonds" zu verwechseln sind- sind Markteilnehmer die sich gegen Schwankungen des Ölpreises absichern wollen. Es handelt sich daher meist um Unternehmen, die mit Mineralölprodukten handeln oder deren Geschäft vom Ölpreis stark abhängig ist, beispielsweise Fluggesellschaften.
Seite 23 "Preisbildung am Ölmarkt" Informationsbroschüre des Mineralölverbandes
Die andere Gruppe sind die Finanzanleger. Ihnen geht es nicht um die tatsächliche Versorgung mit Rohöl. Sie wollen am Auf und Ab des Mineralölpreises verdienen. Grundsätzlich kommt dieser Gruppe die Funktion zu,  den "Hedgern" die Risiken abzunehmen.
Seite 23 "Preisbildung am Ölmarkt" Informationsbröschure des Mineralölverbandes
Obgleich Ölbörsen zunächst zur Handlung von Preisrisiken genutzt wurden, gewannen nach und nach Spekulanten an Bedeutung.
Seite 7 "Überhöhte Spritpreise durch Spekulation an den Rohölmärkten" von Dr. Steffen Bukold, EnergyComment Hamburg im Auftrag der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Grüne
Heutzutage haben neunzig Prozent der auf diesen Börsen agierenden Teilnehmer kein Interesse an einer tatsächlichen Belieferung mit Mineralölprodukten. Sie versuchen Preisänderungen vorherzusehen und daraus Gewinn zu schlagen.
S.39 "Preisbildung am Ölmarkt" Informationsbröschure des Mineralölverbande
Es gilt damit zu untersuchen, wie die Ölpreisspekulation funktioniert. Ein klassisches Instrument der Preisabsicherung ist das Termingeschäft, welches auch als "Future" bezeichnet wird. Bei diesem Geschäft verpflichtet sich die eine Seite gegenüber der Gegenpartei zur Lieferung einer bestimmten Ware (Basiswert) in einer bestimmten Menge (Kontraktgröße) zu einem bestimmten Zeitpunkt (Termin) zu einem im Vorhinein bestimmten Preis (Preis).
Wikipedia-Eintrag:"Future"
Basiswert ist hier eine bestimmte Sorte Mineralöl oder ein bestimmter Kraftstoff. Bei Abschluss eines solchen Vertrages ist kein Kapitaleinsatz notwendig, gezahlt wird bei Lieferung.
S.27 und 29 "Preisbildung am Ölmarkt" Informationsbröschure des Mineralölverbandes
Dies macht grundsätzlich Sinn: Beispielsweise kann sich eine Fluggesellschaft oder eine Spedition den Preis von heute auch für die nähere Zukunft sichern. Ebenso kann ein Verkäufer den Wert seines Lagerbestandes absichern, wenn er befürchtet, dass der Preis sinkt.  
vgl. die guten Beispiele auf den Seiten 28, 31 und 39 "Preisbildung am Ölmarkt" Informationsbröschure des Mineralölverbandes
Diese Geschäfte werden in der Regel am Schreibtisch abgeschlossen (over the counter) in der Regel ist ein Vertragspartner dieser Kontrakte eine Bank.
S.27  "Preisbildung am Ölmarkt" Informationsbröschure des Mineralölverbandes
Später wurde dieses Geschäft "weiterentwickelt". Die Kontrakte wurden standartisiert und an eigens eingerichteten Börsen gehandelt. Die Geschäftsgegner kennen sich nicht mehr, die Verträge werden nun mit einer zentralen Gegenpartei, dem Betreiber der Börse, geschlossen. Dies scheint zunächst vorteilhaft. Es entsteht Marktransparenz, da ja nun nicht mehr "heimlich" im Büro einer Bank verhandelt wird, sondern Kurse festgelegt werden. Auch braucht niemand mehr um die Erfüllung seines Kontraktes fürchten, da es nun Sache der Börse ist zu liefern.  
vgl. Seite 35f  "Preisbildung am Ölmarkt" Informationsbröschure des Mineralölverbandes
Die Börse sichert sich ihrerseits dadurch ab, dass sie von jedem Teilnehmer einen gewissen Prozentsatz des Wertes des Geschäftes als Sicherheitsleistung (Margin) einfordert. Und zwar bei der Aufnahme des Geschäftes (Initial Margin oder Ersteinschuss), während des Geschäftes eine Erhaltungseinzahlung (Maintaince Margin) und wenn es mal nicht klappt mit der Spekulation, dann wird ein Nachschuss zur Deckung der Buchverluste fällig (Margin Call). Die Zahlungen werden auf einem "Margin Account" verbucht.
vgl. Seite 44  "Preisbildung am Ölmarkt" Informationsbröschure des Mineralölverbandes
Was ist also so problematisch oder besser gefragt, warum führen die Öl-Börsen zu steigenden Preisen? Ein grundsätzliches Problem wird sein, dass sich an diesen Börsen zu neunzig Prozent marktfremde Anleger tummeln. Wer ein wirtschaftliches Interesse an der Lieferung von Öl hat, wird sich bei der Preisfindung an fundamentalen Tatsachen orientieren. 
Seite 19 "Überhöhte Spritpreise durch Spekulation an den Rohölmärkten" von Dr. Steffen Bukold, EnergyComment Hamburg im Auftrag der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Grüne
Wer dagegen keine Ahnung hat, guckt ab was der Kollege macht oder denkt. Es entsteht ein Herdentrieb. Dies ist aus Sicht des Spekulanten sogar rational. Es ist halt leichter dem Chef oder dem Kunden zu erklären, dass alle den gleichen Fehler gemacht haben, als eine einsame fehlgeschlagene Entscheidung vertreten zu müssen.
vgl. "Anleger sind doch keine Schafe" in nzz-online vom 30.12.2005
Ist der Markt erstmal von Spekulanten beherrscht, welche keine richtige Ahnung von den fundamentalen Gegebenheiten haben, wird es auch für Händler, welche ein Lieferinteresse haben, schwer einen "fairen" Preis festzustellen, da auch sie dann Angst bekommen sich gegen den Markt zu stellen. In dieser Situation kann es zu  Rückkoppelungen führen, welche einen Trend verstärken.
Seite 19 "Überhöhte Spritpreise durch Spekulation an den Rohölmärkten" von Dr. Steffen Bukold, EnergyComment Hamburg im Auftrag der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Grüne
Diese spekulative Ahnungslosigkeit einhergehend mit dem Glauben an Trends führt auf dem Ölmarkt zu paradoxen Effekten. Indexspekulanten sehen in steigenden Preisen einen aufsteigenden Trend und kaufen nach, obgleich Hedger von steigenden Preisen zum Abwarten motiviert werden würden. Da jedoch die am Produkt interessierten Akteure in der Minderzahl sind, kommt es zu weiter steigenden Preisen,
Seite 8 "Überhöhte Spritpreise durch Spekulation an den Rohölmärkten" von Dr. Steffen Bukold, EnergyComment Hamburg im Auftrag der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Grüne
welche fundamental kaum mehr begründet werden können. Da langfristig orientierte Spekulanten zur Zeit fast ausschließlich "long" gehen, also auf steigende Preise setzen, 
Seite 8 "Überhöhte Spritpreise durch Spekulation an den Rohölmärkten" von Dr. Steffen Bukold, EnergyComment Hamburg im Auftrag der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Grüne
befindet sich der Ölpreis seit Jahren auf einem aufsteigenden Ast, wie diese Grafik zeigt.
Seite 10 "Überhöhte Spritpreise durch Spekulation an den Rohölmärkten" von Dr. Steffen Bukold, EnergyComment Hamburg im Auftrag der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Grüne
Es lässt sich damit abschließend feststellen, dass die Rohölpreise im wesentlichen die Markterwartungen, aber nicht die tatsächliche Nachfrage und verfügbare Menge darstellen.  
Marktzyniker meint: Auch das Beispiel des Ölmarktes zeigt, wie ein eigentlich sinnvolles Instrument von der Finanzbranche zu einem Spekulationsinstrument pervertiert wurde.  Ursprünglich verfolgten die Markteilnehmer mit den Terminkontrakten den Zweck sich gegen Preisschwankungen abzusichern.
"Kostensteigerung seit Januar - Zocker treiben Benzinpreis um 14 Cent nach oben" von Stefan Schultz auf Spiegel-Online vom 8.4.2010
Was früher wirtschaftlich sinnvolle Absicherung gegen Preisschwankungen war ist nun -wie oben dargelegt- im wesentlichen ein Zockermarkt.
Dies mag man für sinnvoll halten oder nicht. Und natürlich sind die momentanen Spekulationen von dem Glauben an das baldige Ende der Erdölförderung getragen und natürlich machen sich die Spekulanten die von der Politik verschuldete Abhängigkeit vom Öl zu nutze.
Und natürlich war die sogenannte Abwrackprämie absoluter Unsinn. Es rächt sich nun, dass mittels dieser Prämie unterschiedslos sämtliche PKW inklusive der dicksten Spritfresser gefördert worden sind.
Und wie kann es eigentlich angehen, dass urzeitliche Spritfresser auch als Firmenwagen noch steuerlich gefördert werden? Siebzig Prozent der bekannten Spritfresser sind als Firmenwagen zugelassen.
"Ole von Beust: Keine Förderung von Spritfressern!" auf greenpeace-online
Aber ist das alles ein Grund, dass man die Finanzmärkte an diesen Fehlentscheidungen verdienen lassen muss? Ist es nicht billiger einfach das eigene Gehirn einzuschalten, als auf die teuren vermeintlichen Weisheiten des "Marktes" zu setzen. Es ist zwar menschlich nur allzu verständlich, dass so manches neoliberale Spatzenhirn gerne den "Markt" für sich denken lassen will, aber dies sollte kein allgemeiner Maßstab für den großen Rest der Bevölkerung sein, der noch im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte ist. 
Doch was ist zu tun? Zunächst bleibt festzuhalten, dass Schwarzgelb nicht im Traum daran denkt, die Spekulation mit Rohstoffen zu unterbinden. Anstatt sich nun international für eine Finanztransaktionssteuer einzusetzen, wie sie im Übrigen auch in dem Gutachten von Dr. Bukold empfohlen wird,
vgl. S.27 "Überhöhte Spritpreise durch Spekulation an den Rohölmärkten" von Dr. Steffen Bukold, EnergyComment Hamburg im Auftrag der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Grüne. Der Autor spricht von einer Tobinsteuer, aber meint offenbar eine Steuer auf Finanztransaktionen im Rohölbereich.
zieht es die Bundesregierung vor, eine sogenannte Bankenabgabe einzuführen, die faktisch ein Haftungsflatrate für Banken darstellt,
mit weiteren Nachweisen: "Bankenkuscherei - Schwarzgelb will Haftungsflatrate für Banken" in Marktzyniker vom 24.3.2010
nachdem insbesondere von liberaler Seite her, die Finanztransaktionssteuer mit Behauptungen ins Blaue hinein als riesterschädlich diskriminiert worden ist.
vgl. auch hierzu mit weiteren Nachweisen: "FDP-Eine Nebelkerzenpartei" in Marktzyniker vom 28.3.2010 
Symptomatisch für diese schwarzgelbe Regierung  ist auch der Vorschlag des FDP-Bundestagsabgeordneten Patrick Döring, doch die Mehrwertsteuer auf Kraftstoffe zu halbieren.
"Benzinpreise: FDP fordert halben Mehrwertsteuersatz" in Welt-Online vom 31.3.2010
Dass so eine Senkung der Abgaben von den "Märkten" als Nachfragesteigerung interpretiert würde und damit zu weiteren Preissteigerungen führen würde, hat der Herr Abgeordnete wohl nicht bedacht. Diese "Idee" würde nur dazu führen, dass den Mineralölkonzernen weitere Milliarden in die Tasche gespült werden und der Steuerzahler  mal wieder das Nachsehen hat.
"FDP versus Grüne Benzinpreis-Disput über Mehrwertsteuer und Biosprit" auf Autohaus.de
Warum denn nicht gleich die Milliarden in die Konzernzentralen und auf die Finanzmärkte tragen? Vielleicht gegen das Versprechen die Rohölpreise nicht mehr zu erhöhen. Selbst das wäre vorteilhafter. Wer hat diesen Abgeordneten bloß gewählt? Es bleibt für dieses unsere Land zu hoffen, dass dieser Mann ab 2013 sich nur noch als Vorstand einer Schützengilde betätigt und den Rest seines Lebens auf dem Golfplatz verbringt.
Entlarvend ist auch uns Merkels Replik auf diesen Vorschlag:  Dies ginge nicht, man müsse sparen und man dürfe keine falschen Versprechungen machen.
So ungelegen kommen die Spritpreiserhöhungen der Bundesregierung wohl offenbar nicht, immerhin führt dies zu weiteren Steuereinnahmen. Na wenigstens kommt das Geld in die Staatskasse und nicht in die Konzernkassen der Mineralöl- und Finanzindustrie. Da wird dann mal das Kartellamt von  Merkel pro forma zum Ermitteln geschickt
"Spritpreise - Merkel lehnt Steuersenkung für Benzin ab" in Focus-Online vom 31.03.2010
und großsprecherisch sogar mit Zerschlagung von Mineralölkonzernen gedroht, was aber wie bereits dargelegt nichts bringen wird.
Aber bloss keine dicken Bretter bohren, lieber Symbolpolitik betreiben, damit ja keine Diskussion aufkommt. Etwa eine Debatte über die volkswirtschaftliche Nützlichkeit von großen Finanzmarktakteuren auf den Ölmärkten, wie sie etwa Dr. Bukold in seinem Gutachten fordert.
Seite 27 "Überhöhte Spritpreise durch Spekulation an den Rohölmärkten" von Dr. Steffen Bukold, EnergyComment Hamburg im Auftrag der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Grüne
Warum nicht Benzin und Diesel rationieren? Schon die bloße Ankündigung eines solchen Gesetzes würde die Marktteilnehmer verschrecken. Denn alleine die potentielle Androhung eines solchen Schrittes, etwa in Form eines Gesetzes dahingehend, dass wenn der Benzinpreis in einem Zeitraum X mehr als Y Prozent steigt, dass dann nur noch eine Menge von maximal Z Benzin im Monat pro Fahrzeug abgeben werden darf, wird die "Anleger" zur Räson bringen. Die glaubhafte Drohung eines solchen Schrittes würde mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit reichen. Denn dann wäre die Nachfrage gedeckelt. Und eine Nachfragedeckelung fürchten die "Anleger" wie der Teufel das Weihwasser. Denn mit dieser Deckelung wird irgendwelchen Preissteigerungsfantasien, welche die Kurse zur Zeit pushen, eine Grenze gesetzt. Und selbst wenn der Tatbestand dieses Gesetzes erfüllt wäre, wäre alles halb so wild. Schon nach einigen Tagen würden die Preise auf ein halbwegs vernünftiges Maß sinken. Wer einen Spritfresser fährt, soll ihn dann stehen lassen und sich temporär mit einem sparsameren Mietwagen, dem Drittauto oder halt dem Omnibus begnügen. Dies nur mal so als Denkanstoss eines Laien.
Oder warum nicht mal wieder einen autofreien Sonntag nebst zeitlich befristeten Tempolimit durchsetzen. Dieser hat zwar in den siebziger Jahren nicht viel gebracht, aber einen starken moralischen Effekt gehabt.
Eine Ursache wird sicherlich gewesen sein, dass damalige Ölpreisspekulationen sich eher an fundamentalen Gegebenheiten orientierten als an Markterwartungen. Denn erst seit den achtziger Jahren wird der ursprüngliche Aspekt des Hedgings durch die Spekulation auf Kursgewinne verdrängt.
vgl. die Tabelle auf Seite 7 "Überhöhte Spritpreise durch Spekulation an den Rohölmärkten" von Dr. Steffen Bukold, EnergyComment Hamburg im Auftrag der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Grüne. Der Autor spricht von einer Tobinsteuer, aber meint offenbar eine Steuer auf Finanztransaktionen im Rohölbereich.
Insoweit wären  autofreie Sonntage zumindest ein erfolgversprechender "Warnschuss" an die "Anleger", welche zur Zeit ihren Fokus kaum noch auf fundamentale Daten legen und eher allgemeine Erwartungen handeln. Und die Erwartung steigender Preise wird schnell einen Dämpfer bekommen, wenn sich eine Regierung als handlungsfähig und -willig zeigt.
Oder eine Viertagewoche, wie sie der Bundestagsabgeordnete von Bündnis90/Grüne  Winfried Hermann schon 2008 gefordert hat.
Grade bei Teilzeitbeschäftigten sollte es doch kein Problem sein, die Arbeitszeiten auf zwei oder drei ganze Tage zu konzentrieren. 
Auch unser Unternehmertum ist gefordert, es ist eine bekannte Unsitte, dass die Mitarbeiter nicht wie früher gemeinsam eine  Schicht beginnen und beenden, sondern den ganzen Tag über kleckerweise in die Firma bestellt werden. Wie soll es da möglich sein, auch nur ansatzweise spritsparende Fahrgemeinschaften zu bilden?
Man denke selber, mache sich seine eigenen Gedanken und verewige diese auch gerne unter diesem Text. Marktzyniker dankt, dass Sie sich bis hierhin durchgearbeitet haben. Dem interessierten Leser sei die Studie von Dr. Bukold und die Broschüre des Mineralölverbandes ausdrücklich zur Lektüre empfohlen. 

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Schwarzgelb abgewählt werden muss.

Kommentare:

  1. Ein wirklich gründlich dargelegter Artikel zum Thema der stetig steigenden Spritpreise.
    Es braucht zwar einige Zeit, um sich durch die vielen Informationen durchzuarbeiten - jedoch am Ende ist man um einiges an Hintergrundwissen bereichert und in Zukunft werde ich wesentlich öfter mal einen Spaziergang machen!
    Besten Dank für so einen profunden Artikel! Weiter so!

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  2. Guter Artikel,

    kann man den nicht wenigstens den Tankstellen vorschreiben, das ein Preis 24 Stunden Bestand haben muß?

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  3. Dieses ganze gierige Zocken an den Börsen ist das Krebsgeschwür unserer Marktwirtschaft. Die Politiker sind die Metastasen!

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  4. Sehr schön einmal zu erfahren wie es hinter den Kulissen abläuft.
    Macht weiter so.

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  5. Reine Lobbyarbeit für die Grünen und ihre sogenannten Wissenschaftler für grüne Wirtschaft. Bauernfängerei

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