Freitag, 28. Mai 2010

Fregatte Hessen - Alles nur Übung oder was?

Langsam kann es einem in diesem unserem Lande wirklich mulmig werden. Da wird eine Fregatte der Bundesmarine in einem us-amerikanischen Trägerverband integriert und unter US-Kommando gestellt und unsere Abgeordneten werfen mit Nebelkerzen. Alles sei nur eine Übung im "indischen Ozean", aber andererseits wird in einem Bericht von dw-online über mögliche Feuereröffnungen bei Angriffen auf den Verband spekuliert.
Und wieder eine militärpolitische Premiere in diesem unserem Lande: Die Fregatte Hessen der deutschen Bundesmarine steht nunmehr unter us-amerikanischem Kommando.
Nach Angaben von Marine.de -einer offiziellen Website der Bundeswehr- befand sich die Hessen in der letzten Märzwoche 2010 in einem Manöver vor der us-amerikanischen Ostküste. Dort habe die Fregatte gemeinsam mit der Trägergruppe um den US-Flugzeugträger USS Harry S. Truman die Ubootjagd und die Luftverteidigung des Verbandes geübt. Laut dem damaligen Bericht sollte die Fregatte Hessen nach planmäßigem Abschluss des Manövers am 1. April 2010 den Flugzeugträgerverband noch über den Atlantik Richtung Mittelmeer begleiten und dann den Verband verlassen, um am 28. Mai 2010 den Verband verlassen (Fettgedruckt ist ein klarstellendes Update vom 29.5.2010 durch Marktzyniker) und in ihren Heimathafen Wilhelmshaven zurückkehren.
Ob sich die Hessen nun auf Kurs Heimathafen befindet oder noch Teil des Verbandes befindet ist zur Zeit unklar. So berichtete Ansgar Graw am 16.5.2010 auf Welt-Online darüber, dass die Hessen erstmals als Teil eines us-amerikanischen Flugträgerverbandes am 22. Mai 2010 in See stechen würde, die Hessen habe die Harry S. Truman vor Luftangriffen zu schützen.
Dagegen vermutet die Linke-Zeitung-Online, dass die Fregatte Hessen allenfalls kurz in Wilhelmshaven einlaufen wird, um dann sich dann mit dem Trägerverband vor der iranischen Küste zu vereinigen.
Denn entgegen der ehemaligen von marine.de mitgeteilten Planung, dass sich der Trägerverband nach dem Ende des Manövers Ende April 2010 auf Kurs Westpazifik via Mittelmeer gemacht habe,
Fregatte HESSEN übt mit der Flugzeugträgergruppe USS HARRY S. TRUMAN" von Presse- und Informationszentrum Marine auf marine.de vom 30.04.2010 
soll sich der Verband nunmehr auf Kurs Richtung iranische Küste befinden, dies berichtet die Linke- Zeitung-Online unter Berufung auf die Website debka.com. Grund sei eine von der US-Regierung angeordnete Verstärkung der US-Flotten im östlichen Mittelmeer und am persischen Golf.
Unabhängig von der Position der Fregatte Hessen ist der Umstand, dass die Fregatte ohne Bundestagsmandat einem us-amerikanischen Kommando unterstellt worden ist
und offenbar unsere Damen und Herren Abgeordneten selber nicht so richtig im Bilde sind, welche Funktion und Befugnisse die Fregatte Hessen in dem Schiffsverband hat. Schwarzgelb mauert offenbar auf Abgeordnetenwatch.de. So bittet Verteidigungsminister Karl Theodor zu Guttenberg (CSU) einen Fragesteller, welcher Auskunft zu dem Bericht auf debka.com wünscht, die Frage nochmals per Email an sein Abgeordnetenbüro zu senden, er wolle sich dann um schnelle Antwort bemühen.
Christian Lindner (FDP) fühlt sich offenbar nicht zuständig und verweist den Fragesteller mit der gleichen Frage an eine Kollegin in der Fraktion.
Der verteidigungspolitische Sprecher Rainer_Arnold der SPD gib sich etwas auskunftsfreudiger: Die Fregatte sei vom 12. März 2010 bis ca. 4 Juli 2010 in den Trägerverband integriert, sie werde den Verband durch das östliche Mittelmeer in den indischen Ozean begleiten. Es handele sich um eine Übung. Eine solche "Einbindung" der Fregatte sei rechtlich geregelt und werde vom Parlament unterstützt. Im Falle eines bewaffneten Einsatzes der USA könne die deutsche Seite jederzeit die operationelle Führung durch die USA beenden.
So schlüssig diese Erklärung auch klingt, sie passt nicht so richtig zu dem Bericht auf dw-online.de: Hier wird berichtet, dass sich die Fregatte bei dieser "Entsendung" grundsätzlich darauf zu beschränken habe, die USS Truman bei der Luftraumüberwachung zu unterstützen, ausnahmweise dürfe sie aber bei Angriffen auf den Verband das Feuer eröffnen.
Marktzyniker meint: Es bleibt das Gefühl, dass nicht alles so richtig zusammenpasst. Warum  will  von Guttenberg nicht öffentlich antworten? Warum fühlt sich Lindner nicht zuständig? Warum eine Übung im Sommer im "indischen" Ozean? Ubootjagen und Fliegerabschiessen üben kann man doch in aller Ruhe -wie schon zuvor im April- vor der us-amerikanischen Küste. Warum solche Manöver in einem Seegebiet abhalten, wo offenbar die Schiffsbesatzungen selber mit Angriffen auf den "Verband" rechnen. Insoweit ist es nur zu begrüßen, dass der Abgeordnete Hans-Christian Ströbele(Bündnis90/Die Grünen) beabsichtigt sich der Thematik anzunehmen und durch eine parlamentarische Frage an die Bundesregierung den Sachverhalt zu klären.

Kommentare:

  1. Denn entgegen der ehemaligen von marine.de mitgeteilten Planung, dass sich der Trägerverband nach dem Ende des Manövers Ende April 2010 auf Kurs Westpazifik via Mittelmeer gemacht habe,
    Fregatte HESSEN übt mit der Flugzeugträgergruppe USS HARRY S. TRUMAN" von [...]Presse- und Informationszentrum Marine auf marine.de vom 30.04.2010
    soll sich der Verband nunmehr auf Kurs Richtung iranische Küste befinden, dies berichtet die Linke- Zeitung-Online unter Berufung auf die Website debka.com. Grund sei eine von der US-Regierung angeordnete Verstärkung der US-Flotten im östlichen Mittelmeer und am persischen Golf.[...]

    Wenn man von der Ostküste der USA in den Persischen Golf will, führt der Weg über das Mittelmeer, weil US Träger nicht drch den Panamakanal fahren. Es ist also kein Widerspruch, sondern normal.

    Vielleicht sollte man sich aber nicht nur auf Verschwörungsseiten und bei den LINKEN orientieren...

    Die Fregatte HESSEN- und das wurde bereits von der Marine offiziell verkündet, wird- siehe Antwort des Abgeordneten Arnold- nicht "in den Iran" versetzen. Sie steht auch nicht unter amerikanischem Kommando im Sinne von einem nicht mehr vorhandenen Hoheitsrecht der Bundesrepublik Deutschland über ihr Schiff- sondern im Sinne der Funktion als Bestandteil der Carrier Strike Group. Das Führungsschiff ist amerikanisch und so ist es auch befehlshabend ( deutsche Schiffe stehen öfter unter dem Kommando anderer Staaten- innerhalb der Nato- Mitgliedschaft völlig normal. Und auch andersherum normal: Auch US Schiffe stehen da schon mal unter deutschem Kommando).

    Der "Indische Ozean" wird überhaupt nicht angefahren. Diese Meldung ist falsch.

    Die Erwähnung, die Fregatte HESSEN dürfe bei einem Angriff auf den Verband das Feuer eröffnen, ist wohl- unter uns- ein schlechter Witz? Was will man mit einer solchen Aussage bezwecken? Niemand rechnet damit, aber man hat auch nicht mit 911 gerechnet...

    Die HESSEN befindet sich zur Zeit auf dem gemeinsamen Transit. Am 8.6. läuft der Verband auf seinem Weg Marseille an. nach dem Bunkern geht's weiter durch den Suezkanal bis vor die Küsten des Oman und ( vor ) die Straße von Hormuz.

    Hier endet die Begleitphase um den 4. Juli herum. Die relative Zeitangabe entspringt den Unwägbarkeiten von Zeitabläufen, die auch mit der Suezkanalpassage zu tun haben.

    Zwei Wochen später wird die HESSEN im Heimathafen zurückerwartet.

    Geheimnisvolles, dunkles, verborgenes, zwielichtiges...nichts davon erkennbar.

    Leider ist offenbar Programm geworden, Halbwahrheiten zu Hirngespinsten aufzublasen und zu kolportieren. Dabei kann man sich- Ernsthaftigkeit vorausgesetzt- auch seriös orientieren.

    Politiker wie Herr Ströbele sind dabei besonders schlimm: Wer solche Statements- nar jeder Ahnung- raushaut, der gehört nicht in den Bundestag, sondern geknebelt.

    Seefahrer
    http://seefahrer.blog.de

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  2. Abwählen? Wäre das Beste.

    ABER: in unserer "Demokratie" geht das ja nur mittels schon verhandener "Alternative".

    Und da kommt mir irgendwie der Vergleich "Pest und Cholera" in den Sinn.

    So übel es sich anhört, aber ohne eine (Art von) Revolution und das Wagen von wirklicher Demokratie wird sich hier nichts ändern - egal was für einen Namen sich eine "Partei" gegeben hat.

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  3. Die Aussage, dass auch die deutschen Soldaten auf der Hessen das Feuer eröffnen dürften, wenn der Verband angegriffen werde, stammt nicht von mir, sondern steht in dem Bericht von dw-online vom 30. April 2010. Die Frage, ob diese Aussage ein "schlechter Witz" ist oder nicht, stelle ich mir auch. Wollen wir hoffen, dass es nur ein "schlechter Witz" ist...

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  4. Laut Marine.de vom 30. April sollte die Fregatte vorraussichtlich am 28. Mai den Verband verlassen, um dann die Rückreise in den Heimathafen anzutreten, hier habe ich mich etwas mißverständlich ausgedrückt, nun aber soll laut Bundestagsabgeordneten Arnold die Hessen erst ca. am 4. Juli den Verband verlassen. Der Abgeordnete hätte diesen späteren Termin ruhig erklären können.

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  5. Die terminlichen Differenzen sind- leider- ein hausgemachtes Problem, da die Marine den ersten Termin ( 28.05. ) immer noch nicht korrigiert hat. Das aber wohl nicht aus Geheimniskrämerei, da Angehörige der Mitfahrer sehr wohl über die geänderten Termine unterrichtet wurden.

    Dass Arnold den Termin nicht weiter kommentierte, war vielleicht eine verpasste Chance, mehr Aufklärung zu bieten.

    Wenn dw- online berichtet, dass die Fregatte HESSEN bei einem Angriff auf den Verband das Feuer eröffnen darf, dann sehe ich das nicht als etwas überraschendes an. Wir reden hier über einen Militärverband. Wie sollte er sich anders verhalten, wenn er beschossen wird?

    Niemand geht ernsthaft davon aus, aber die Möglichkeit besteht immer. Die Vorgänge um die USS Cole zeigen ja, dass man mit asymmetrischen Bedrohungen immer rechnen muss. Besonders US- Schiffe dürften in diesem Zusammenhang einer gesteigerten Gefahr ausgesetzt sein. Mithin ist ein Angriff auf den Verband auch als ein Angriff auf die Fregatte HESSEN zu werten.

    Das sind jedoch nur worst- case- Szenarien, die ich aber in dem dw- online Beitrag auch nicht gerne gelesen habe. Es erweckt einen falschen Eindruck und transportiert unterschwellig eine aggressive Haltung, die aber objektiv defensiv ist. Es geht hier um den Eigenschutz und nicht darum, in der Gegend herumzuballern.

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  6. Es heisst "Deutsche Marine" und nicht "Bundesmarine". Die (Bundes)Länder haben schließlich keine und die Volksmarine ist (glücklicherweise) Geschichte.
    Neben dieser Tatsache empfehle ich insgesamt sich eher an die Fakten, als an Spekulationen zu halten.

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