Sonntag, 5. September 2010

Handelswege - DIHK-Präsident Driftmann bringt ethische Unternehmer in Bedrängnis

Im Streit um das alberne Buch des Amateur-Genetikers Thilo Sarrazin ist ein Skandal besonderer Art und Güte untergegangen. Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages Driftmann wandelt auf Köhlers Pfaden und bringt damit die Zwangsmitglieder der Handelskammern gegen sich auf. Eine Petition ist am laufen.
  Einen Hauch des britischen Empires will die Wirtschaftswoche (WiWo) im Chefbüro des  Hans Heinrich Driftmann gespürt haben, von welchem er am Mahagonischreibtisch unter einem Ölgemälde der kaiserlichen Yacht "Meteor"
als "König der Flocken",
die Geschicke des von ihm geführten Lebensmittelunternehmens lenke.
Insoweit fragt es sich, ob es die Inneneinrichtung seines Büros war, die  Hans Heinrich Driftmann in seiner Eigenschaft als Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) am letzten Wochenende zu der Annahme verführt hat, dass es zu den neuen Aufgaben der Bundeswehr gehöre, wirtschaftliche Interessen zu wahren,
und sich damit auf einen ähnlich verhängnisvollen Kurs zu bringen, wie im Frühjahr  2010 erst unser Ex-Präsident Horst Köhler:
vgl. "Bundespräsident Köhler - Klare Worte an den Rest der Welt" in Marktzyniker vom 24. Mai 2010
"Wir müssen die Bundeswehr nicht umkrempeln, um damit Geld zu sparen. Wir müssen sie endlich auf die aktuellen sicherheitspolitischen Herausforderungen einstellen. Dabei geht es um unsere ureigenen legitimen Interessen – auch die der Wirtschaft."
"Die Bundeswehr braucht keine "Lösungen mit Goldrand" Driftmann-Interview im Focus" Abdruck des mit Focus geführten Interview auf DIHK News vom 30.08.2010
Zur Begründung dieser These stellte Hans Heinrich Driftman fest, dass die USA als Absatzmarkt wegen der Finanzkrise an Bedeutung verloren hätten, 
um dann mitzuteilen:
"Stattdessen engagieren wir (Anmerkung Marktzyniker: Gemeint ist die deutsche Wirtschaft) uns jetzt stärker in Südostasien und Teilen Südamerikas. Wenn also die Schifffahrts- und Handelswege dorthin nicht mehr sicher sind, was glauben Sie, was wir hierzulande für Probleme bekommen. Die dürfen wir nicht den Piraten überlassen"
Diese Thesen wären eigentlich nicht berichtenswert, wenn es sich bei dem DIHK um einen einfachen Wald- und Wiesenunternehmertumsverband handeln würde. Dem ist aber nicht so: Bei dem deutschen Industrie- und Handelskammertag handelt es sich um die Spitzenorganisation der achtzig Industrie und Handelskammern in der Bundesrepublik. Bei dem DIHK handelt es sich um einen eingetragenen Verein, dessen Mitglieder diese Industrie- und Handelskammern sind.
Diese Industrie- und Handelskammern sind selber als Körperschaften des öffentlichen Rechtes organisiert. Alle Gewerbetreibenden mit Ausnahme reiner Handwerksunternehmen, Landwirten und Freiberufler sind durch Gesetz verpflichtet den Industrie- und Handelskammern anzugehören.
Wikipedia-Eintrag: "Industrie und Handelskammern"
Diejenigen Teile des Unternehmertums, welche nun nicht grade von Driftsmanns Thesen begeistert sind, können damit nicht durch Austritt ihren Unmut bekunden. Insoweit regt sich Widerstand gegen Driftmann. Der Bundesverband freier Kammern (BffK) teilt mit, dass die Äußerungen Driftmanns bezüglich der Handelswege in keinster Weise diskuttiert oder sogar beschlossen worden seien. Der Verband wirft Driftmann vor, dass er Millionen von Zwangsmitgliedern dazu mißbrauche, sich seine Äußerungen zurechnen zu lassen.
"DIHK-Präsident fordert Krieg für freie Handelswege" vom BffK
Und in der Tat scheinen Driftmanns Thesen erste fatale Wirkungen zu zeigen. Die Ethikbank teilt auf ihrem Blog mit, dass sie eine größere Anzahl kritischer Zuschriften wegen Driftmanns Äußerungen erhalten habe. Sie stellt klar, dass Driftsmanns Äußerungen nicht mit den Grundsätzen der Ethikbank vereinbar seien .Im Übrigen stellt die Ethikbank fest, dass sie nicht freiwillig Mitglied der IHK sei, sondern zur Mitgliedschaft verpflichtet sei.
"Bundeswehr soll Handelswege freihalten - Position der Ethikbank" Mitteilung auf ethikbank.blog.de vom 3.9.2010

Marktzyniker meint: Hans Heinrich Driftmann hat gezeigt, dass er für die Position eines Spitzenverbandes der Wirtschaft untragbar ist. Sein Verhalten zeigt mangelndes Verständnis von Demokratie. In dem Bewusstsein, dass er der Präsident eines Verbandes ist, aus welchem man nur durch Aufgabe seines Unternehmens austreten kann, hat er alle Mitglieder moralisch als Geisel zur Durchsetzung seiner kruden Forderungen genommen und insbesondere diejenigen Teile des Unternehmertums, welche gewisse moralische Ansprüche vertreten, vor ihren Kunden denunziert. Dieses Verhalten ist zu tiefst undemokratisch und muss zu Konsequenzen führen, der geneigte Leser sei auf eine vom BffK angeschobene Petition gegen Driftmanns Thesen hingewiesen:
"Kein Krieg für den Handel - Nicht in unserem Namen"


Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Schwarzgelb abgewählt werden muss.

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