Sonntag, 12. Dezember 2010

Riester - (Streu)-Bombige Renditen und chaotische Bücher

Das A und O des klugen Anlegers soll die Streuung seines Kapitals sein. Niemals alle Eier in einem Korb legen. Vielleicht liegt es an dieser Börsenweisheit, dass einige Anbieter von sogenannten Riester-Renten das Geld der Riester-Sparer gerne in Streumunition "anlegen", natürlich ohne den Kunden darüber zu informieren. Eine Sache die nicht nur ethisch bedenklich ist, sondern die Riester-Rente insgesamt ins Zwielicht setzt. 
 Bei Streumunition handelt es sich in der Regel um Bomben, welche nach dem Abwurf  in eine Vielzahl kleiner Bomben zerfallen und damit auf großer Fläche Personen töten und auch leicht gepanzertes Kriegsgerät zerstören. Der Einsatz dieser Munition ist nur unter Inkaufnahme von sogenannten "Kollateralschäden" möglich. Problematischer ist jedoch, dass nicht alle Minibomben (Bomblets) sofort explodieren, eine große Anzahl bleibt im Zielgebiet liegen und führt noch Jahre später zu einer erheblichen Gefährdung der Zivilbevölkerung.
Wegen dieser Gefahren für die Zivilbevölkerung wurde diese Art der Munition im Mai 2008 durch ein Internationales Abkommen von insgesamt 109 Staaten geächtet, zwar mit vielen Ausnahmen, aber immerhin.
Anfang August 2010 war das Abkommen dann von inzwischen 40 Staaten, darunter auch Deutschland, ratifiziert und trat am 1. August in Kraft. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) lobte das Abkommen als "ein Meilenstein hin zu einer weltweiten Ächtung dieser unmenschlichen Waffen und ein unübersehbares Zeichen, dass Fortschritte bei der Abrüstung möglich sind."
Offenbar tut Westerwelle viel, nur nicht öffentlich-rechtliches Fernsehen gucken. Denn das ARD-Magazin Monitor berichtete schon Ende  Juli 2010 darüber, dass auch Gelder von Riester -Rentensparern, zwar über Umwege, aber am Ende doch, in die Herstellung dieser "geächteten" Streubomben fließen,
natürlich samt der Gelder aus der staatlichen Förderung. 
Aber offenbar guckt auch die schwarzgelbe Bundesregierung kein öffentlich-rechtliches Fernsehen. Als die Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen im Rahmen einer Kleinen Anfrage mal wissen wollte, ob Riester-Gelder auch an Streubombenhersteller fließen, stellte sich die Regierung unwissend:
"Die Bundesregierung hat hierüber keine Kenntnisse."
Auf die Frage, welche Haltung die Bundesregierung zu einem Investitionsverbot hinsichtlich dieser Waffen einnehmen würde, antwortete die Bundesregierung:
"Beim Investitionsverbot handelt es sich um eine Maßnahme, die nur im Ausnahmefall und unter Berücksichtigung der Umstände des jeweiligen Einzelfalles getroffen werden kann. Daher lässt sich die Frage nach der Haltung der Bundesregierung zu diesem Instrument nicht in allgemeiner Form beantworten"
Aber immerhin gibt es auch etwas erhellendere Antworten unserer aller Bundesregierung. Zunächst stellt die Regierung klar, dass die Zertifizierungsstelle nicht prüft in was investiert wird. Ebenso wenig prüft diese Stelle, ob das Konzept wirtschaftlich sinnvoll ist oder ob die Ansprüche überhaupt erfüllbar oder gar zivilrechtlich wirksam sind.
Aber der Anleger sei, vor Vertragsschluss auch auf die ethischen Aspekte der Geldanlage hinzuweisen und jedes Jahr darüber zu informieren, wie seinen ausdrücklich gewünschten ethischen Anlageformen entsprochen werde.
Soso der mündige Anleger ist also gefragt. So auch der Erfinder des ganzen Riestergedönses Walter Riester (SPD) welcher nicht wolle, dass die Riester-Rente jetzt pauschal als Unterstützung von Waffenherstellern gesehen werde, der Verbraucher habe umfassende Informationsrechte.
Nur komisch, dass in dem Monitorbericht interviewte Passanten erschrocken waren, als sie hörten, dass ihre Gelder wohlmöglich in die Herstellung von Waffen fließen,
wenn sie doch vor Vertragschluss eigentlich aufgeklärt worden sein sollten. Aber Riester räumt selber ein, dass die Riester-Rente eben "Neuland" gewesen sei und fordert nunmehr die Anlage von Geldern in Streubombenhersteller zu verbieten und hinsichtlich ethischer Aspekte der Riester-Anlage eine Informationspflicht der Anbieter dieser "Produkte".
Es fragt sich damit nur noch, ob die Riester-Anbieter überhaupt diese Informationen geben können. Denn offenbar  wissen diese zumindest zum Teil selber nicht, in was sie die Spar- und  Steuergelder ihrer Kunden angelegt haben. Zwar konnte ein Riester-Manager im Oktober 2010ausschließen, dass zu diesem Zeitpunkt noch Gelder in Streumunitionherstellern steckten, aber für die Vergangenheit wollte er es nicht ausschließen.
Wohlgemerkt im Oktober 2010, der Monitorbericht lief Ende Juli über den Bildschirm. Der Kerl hatte also mindestens acht Wochen Zeit zu ermitteln, wann, wo, in welcher Höhe, welches Geld investiert worden ist. Da fragt es sich schon, wie ordentlich da eigentlich die Bücher geführt werden.
Zur Ehrenrettung dieses Fonds sei gesagt, dass nunmehr eine nichtbindende Richtlinie herausgeben worden sei, die den Anlageentscheidern ans Herz lege, nicht mehr in Streubomben zu investieren.
"Streumunition Investitionen in den Tod" von Sarah Kramer in Zeit-Online vom 11.12.2010
 Marktzyniker meint:  Gut, dass es Richtlinien gibt! Sarkasmode off:
Jaja, dass mit Investitionsverbot ist natürlich so eine komplizierte Frage, die nicht im Rahmen einer kleinen Anfrage beantwortet werden könne, heilige Marktwirtschaft, da hört die Moral auf, auch bei einer christ-liberalen Regierung. Dabei hätten drei Wörter gereicht: "Selbstverständlich ein Verbot". So wie es etwa Großbritannien, Luxemburg und Norwegen schon beschlossen haben.
Aber auch der Restbestand an anständigen Sozen und Grünen sollte mal ganz tief in sich blicken und fragen, warum sie diesen ganzen Riesterquatsch so kritiklos mitgemacht haben: Die Ausrede, dass Neuland betreten worden sei, ist einfach nur neben der Spur. Das hätte man schon damals regeln können, aber man gucke selber mal bei www.parteispenden.unklarheiten.de, wer da was den eben genannten Parteien gespendet hat. 
Aber auch die Fragepflicht des Riester-Sparers hat seine Grenzen. Es ist schon eine Frechheit, dass dem "mündigen" Bürger so wichtige Anlageinformationen, wie etwa die Anlage von Geldern in Waffen, dem Riestersparer vorenthalten werden. Man wird wohl nach Treu- und Glauben davon ausgehen dürfen, dass man ungefragt auf diese Anlagen hingewiesen wird. Wenn dem Sparer nur gesagt wird, dass sein Geld in "Unternehmen" und auf dem "Kapitalmarkt "angelegt wird, geht ein normalverständlicher Bürger selbstredend davon aus, dass es nicht in Waffenhersteller "investiert" wird. Wohlgemerkt, es handelt sich bei Riester nicht um irgendein "Produkt" für Profis, sondern um eine Anlageform die für den normalen Bürger gemacht worden ist und auf das wohl leider jeder Arbeitnehmer -auch aufgrund der desaströsen Rentenpolitik hierzulande- angewiesen ist. 
Marktzyniker ist versucht, hier einige Links auf Bilder zu setzen, die die Verstümmelungen von Streubomben-Opfern zeigen, mit dem Aufruf an seine Leser, diese Bilder mal dem freundlichen Riesterberater zu zeigen und ihn mal zu fragen, warum er eigentlich diese grässlichen Geschäfte verschwiegen hat. Aber der Anstand und die Menschenwürde dieser von Streubomben verletzten Menschen verbietet solche Aktionen. Aber offenbar hatte auch der gemeine Wald- und Wiesen-Riester-"Berater" keinen blassen Schimmer von diesen Geschäften.
Denjenigen die meine moralischen Standards nicht teilen sei gesagt, dass zumindest der Umstand, dass ein Manager eines Fonds nach acht Wochen nicht ausschließen kann, ob jemals in Streubomben "investiert" wurde, äußerst bedenklich ist.  Wie werden da teilweise eigentlich die Bücher geführt, was machen all die "Researcher" und leistungsträgerischen Finanzmanager in diesen Zockerbuden eigentlich? Können die keine Geschäftsberichte lesen? 

http://tinyurl.com/23w5ve4


1 Kommentar:

  1. Die Riesterförderung ist eine einzig und alleinige versteckte Subvention an die Finanzindustrie. http://jennyger.blog.de/2011/02/12/vorsicht-riester-ist-keine-geldmaschine-10570930/

    lg,
    Jenny S.

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