Sonntag, 19. Mai 2013

Polemik: Homo Sozialdemocraticus

Der Wirtschaftsstandort Deutschland ist in Gefahr. Es gibt noch zu viele Verwertungshemmnisse aka Vermittlungshemmnisse. Hier helfen keine Reförmchen, das Problem mangelnder Verwertbarkeit von Humankapital ist grundsätzlich anzugehen. Die SPD zeigt -auch nach 150 Jahren- wie wandlungsfähig und anpassungsfähig sie ist, nun wird er gemacht: Der Homo Sozialdemokraticus:

Wollte Helmut Schmidt noch jeden zum Arzt schicken, der Visionen hat, zeigt die heutige SPD Mut zu weitreichenden Schritten. 
Schluß mit den Vermittlungshemmnissen in Form individueller Bedürfnisse, Meinungen, Neigungen und Talenten. 
Schluß mit der platten Agenda 2010, die zu sehr auf offensichtlichen Zwang gesetzt hat, her mit einer neuen Agenda zur Schaffung des Homo Sozialdemokraticus, die perfekte und willige Arbeitsdrohne für die Rettung "unseres Wohlstandes", der:
Homo Sozialdemokraticus,
welcher sich durch diese Eigenschaften auszeichnet:
I. Arbeit
An erster Stelle steht für den Homo Sozialdemokraticus die Arbeit. Sie ist für den  ein Selbstzweck. Sein Lebensmittelpunkt ist daher sein Arbeitsplatz. Ein Homo Sozialdemokraticus der keinen Arbeitsplatz hat, ist arbeitslos und dürfte eigentlich nicht essen,
"Hartz IV: Arbeiten fürs Essen" von Katherina Schuler in Zeit-Online vom 17.5.2006
denn es gibt kein Recht auf Faulheit.
"Gerhard Schröder: Es gibt kein Recht auf Faulheit" in Manager-Magazin vo 6. April 2001
Der Homo Sozialdemokraticus sieht dies von alleine ein, schließlich ist er davon überzeugt, dass "Arbeit und Anstrengung" die Grundlage "unseres Wohlstandes" sind,
"Bildung, Löhne, Finanzmärkte, Energie - alles wird anders Gabriel kündigt neue Agenda an" Meldung auf n-tv vom 17. Mai 2013
Uneinsichtigen wird dieser "Arbeitsethos" vom Jobcenter beigebracht, durch Fördern und Fordern, notfalls durch Verurteilung von sinnbefreiten infantilen Tätigkeiten, etwa Puzzeln zur Kontrolle der Vollständigkeit von gespendeten Puzzlespielen.
 "Die Armutsindustrie Kein Ding machen" von Hans Hoff in Süddeutsche Zeitung vom 17. Mai 2010
Der ideale Homo Sozialdemokraticus, sieht also in seinem "Arbeitsplatz" einen Selbstzweck. Er arbeitet, um sich anzustrengen und blendet daher monetäre Fragen, etwa nach Lohn aus. 
Bei dem Lohnproblem scheint es allersdings noch Probleme zu geben. Anscheinend gibt es immer noch Leute, die von ihrer Arbeit Lohn auch Leben können wollen, trotz aller Sanktionsprügelpeitsch-Pädagogik zu der die SPD die Jobcenter angewiesen hat, indem sie die Order gab, gegen arbeitsunwillige Erwerbslose härter vorzugehen.
"Gerhard Schröder: Es gibt kein Recht auf Faulheit" in Manager-Magazin vo 6. April 2001
Ewiger Niedriglohn untergräbt halt die Arbeitsmoral. Oder den "Arbeitsethos" wie es Sigmar Gabriel so geschwollen ausdrückt,
 "Bildung, Löhne, Finanzmärkte, Energie - alles wird anders Gabriel kündigt neue Agenda an" Meldung auf n-tv vom 17. Mai 2013
insoweit haben auch die Sozialdemokraten kapiert, dass man den Arbeiter locken muss, will man das Ziel der Transformation zum Homo Sozialdemokraticus nicht gefährden und zwar mit Geld in Form von Lohn. Nicht etwa einen hohen Lohn von dem man gut leben kann, sondern einen "fairen Lohn" von dem man "anständig" Leben kann.
"Sozial ist, was Arbeit schafft, von der man anständig leben kann" von Thorsten Schäfer-Gümbel 1. Mai 2013 

II. Bildung
Der Fortschritt in Wissenschaft und Technik führte in letzter Zeit dazu, dass "einfache" Arbeitsplätze ausgehen.
Hierauf hat der Homo Sozialdemokraticus zu reagieren und sich zu bilden, will er auch zukünftig als renditeträchtiges Humankapital seinen Arbeitsplatz durch "Leistung und Anstrengung" verdienen. Für Sozialdemokraten ist es zum Glück keine große Mühe, für jede Veränderung eine Parole zu finden, etwa:
"Bildung ist Rohstoff der Zukunft" 
und sich damit zu brüsten, dass SPD, eine Partei ist, die etwas von Bildung versteht.
"Mathias Kocks: "Bildung ist der Rohstoff der Zukunft." Matthias Kocks auf SPD-Mülheim am 19.10.2007
Da Rohstoffe nur ausgebeutet werden, wenn es sich lohnt, weiß der Homo Sozialdemokraticus, dass Bildung kein Selbstzweck ist. Sie ist heute Standortfaktor, sogar in Dörfern,
Talente zu verschenken wäre fatal,
schließlich droht ein "demografischer Wandel" vor dessen Hintergrund, die verschieden "Ressourcen" erkannt und gefördert werden müssen.
"Das Ruhrgebiet als Hotspot der Talente!" vom 22.3.2013 SPD Unterfraktion & Ratsfraktion
Gut, dass Talente und Fähigkeiten vor dem Hintergrund des "demografischen Wandel" knapp sind, wie sollte man auch anders für Chancengleichheit argumentieren, außer damit, dass der Einsatz von Steuergeldern eine Investition in die Zukunft ist.
Und vorallem: Da "Bildungsarmut" ganz hohe volkswirtschaftliche Schäden verursacht, muss früh angesetzt und auch in diesem Bereich "gefördert und gefordert" werden,
dies gilt auch für die Unterschicht. 

III. Unterschicht
Mit Arbeit und Bildung grenzt sich Der Homo Sozialdemocraticus von der Unterschicht ab. Dem funktionierenden Homo Sozialdemokraticus wird diese Unterschicht als Hölle der Hoffnungslosigkeit dargestellt und dient ihm als ständige Mahnung brav und gehorsamt seinem Arbeitgeber für einen "fairen Lohn" zu dienen und nebenbei lebenslang zu lernen.
Hierzu wird dem funktionierenden Homo Sozialdemokraticus, die Unterschicht im Grunde als eine "bildungsferne" Menschenmenge in Jogginganzügen dargestellt, 
die ihre Kinder ewig fernsehen lässt und nur ihnen nur schlechtes Essen vorsetzt, wie etwa Thilo Sarrazin behauptet.
Dies läge ja nicht an materieller Not. Der Schicht fehle eigentlich nur der Wille zum Aufstieg, es sei neu, dass sich die Unterschicht nicht mehr um Aufstieg bemühe, so die Analyse von Volker Beck.
Analyse hin oder her. Die Kinder dieser aufstiegsunwilligen bildungsfernen Unterschicht seien zu retten.
"Wenn zuhause niemand aufsteht, um das Kind zur Schule zu schicken, niemand nach der Note der letzten Klassenarbeit fragt, dann müssen wir das Bildungssystem so umbauen, dass Institutionen die Rolle des Elternhauses übernehmen."
Buschkowsky im Interview „Die Kinder müssen sich von ihrem Milieu emanzipieren“ in Cicero vom 30. August 2011
Der gute Homo Sozialdemkratikus fragt nämlich, ob er seinem Nachwuchs auch genug Druck macht
und nicht, ob das Gymnasium überhaupt das Richtige für das Kind ist.
Da Bildung kein Selbstzweck mehr ist, stellt man am Besten alle Eltern unter Generalverdacht. Man weiß ja nie, ob die Eltern nicht doch Versuchung unterliegen könnten, dieses in Bier oder Zigaretten umzusetzen, also am Besten gleich direkt in Bildung oder Schulessen investieren, wie es etwa Steinbrück forderte.
"Finanzminister: Steinbrück gegen reine Kindergelderhöhung" in Tagesspiegel vom 3.7.2008

IV. Körperbau
Der Homo Sozialdemokraticus stellt auch eine körperliche Norm dar. Auf keinem Fall, darf er dick sein. Denn wer dick ist, ist nicht fit und wer nicht fit ist, kann seinem Arbeitgeber nicht mit voller Leistung dienen und ist damit kein optimales Humankapital.  Hierzu startete die sozialdemokratische Ministerin Ula Schmidt schon das "Umerziehungsprogramm" aka "Nationaler Aktionsplan"
"Fit statt fett".
vgl. "Kabinett billigt Programm „Fit statt fett“ " in Frankfurter Rundschau vom 9. April 2007
Dieser "nationale Aktionsplan" zeigte offenbar mehr Wirkung als Ula Schmidt lieb sein konnte, zumindest in der Modebranche. Anscheinend haben die Modeschöpfer, das Motto "Fit statt fett" zu gut befolgt und nur noch etwas zu schlanke Damen auf den Laufsteg geschickt. Dies veranlasste die Sozialdemokraten zum sofortigen Handeln und sie traten im Jahre 2008 mit einer "Charta" zum
„Kampf gegen gesundheitsschädlichen Schlankheitswahn“
auf den Plan.
vgl. "Magermodels Modemacher ignorieren Vereinbarungen" in Focus vom 17. Juli 2008
Als letztes Ergebnis lässt sich damit festhalten, dass der Homo Solidemocraticus sich in einen mittleren Gewichtsbereich zu bewegen hat. Er darf weder zu dick, noch zu dünn sein oder anders gewendet: Nicht im Stadtbild auffallen.


Marktzyniker meint: Hier hat Marktzyniker etwas "draufgehauen", aber es handelt sich ausweislich der Überschrift, um eine Polemik. Nichts ist gegen eine gesunde Lebensweise oder gegen das Streben nach Aufstieg oder gegen eine fleissige Lebenseinstellung.
Es handelt sich jedoch bei allen diesen Tugenden, nur um Sekundärtugenden, also um Charaktereigenschaften, die dem gesellschaftlichen Zusammenleben und Zusammenhalt nur dienen sollen und aufgrund dieser dienenden Funktion keine eigenständinge moralische Funktion haben.
vgl. Wikipedia "Sekundärtugenden"
Sie können daher schnell zur Untugend ausarten, wenn sie ohne Maß und Ziel verfolgt werden. Es ist daher zu fragen, welchem Zweck die Einhaltung dieser Gebote dient. Es soll an dieser Stelle nicht diskuttiert werden, welche Kardinalentugenden und Ziele "unsere" Gesellschaft haben soll, jedoch das Ziel der Sozialdemokraten liegt auf der Hand:
Es soll gut verzinsliches Humankapital zum Wohle ein kleinen, aber feinen wirklichen Oberschicht  gezogen und erzogen werden, welche etwa ein Prozent der bundesdeutschen Gesellschaft stellt und über ca. ein Viertel des gesamten Bruttovermögens in diesem Lande verfügt.
  • Sport und Bewegung dienen in dieser sozialdemokratischen neuen Welt nur noch der Erhaltung des Kapitals "Gesundheit". Der Homo Sozialdemocraticus hat Sport als spaßbefreite Bürgerpflicht zur Körperertüchtigung wahrzunehmen, um die "Kassen zu entlasten" und damit die "Lohnnebenkosten" zu senken, nicht etwa um Spaß an der Bewegung zu empfinden oder gar etwas Nervenkitze zu erlebenl: Risikosportarten sind zu meiden!   
"Risikosport dürfe nicht mehr über Solidargemeinschaft abgesichert werden Eichel fordert Kürzungen bei Kassenleistungen" in Handelsblatt vom 9.9.2004

  • Der Homo Sozialdemokraticus verzichtet auf Alkohol und Zigaretten, nicht um seiner eigenen Gesundheit Willen, sondern um die Solidargemeinschaft zu entlasten. Erlaubt ist Alkohol offenbar nur als Statussymbol oder monetäre Selbstbestrafung, wenn das Glas mindestens 5 Euro kostet.
"SPD-Mann trinkt nur edle Tropfen Ein Wein für fünf Euro? Für Steinbrück unvorstellbar" in Focus vom 3. Dezember 2012
  • Der Homo Sozialdemokraticus speist und trinkt nicht, sondern er ernährt sich und dabei achtet auf eine ausgewogene Kombination der Inhaltsstoff und degradiert sich damit zu einer Art Roboter, bei dem auf die nützlichste Schmierstoffkombination geachtet wird. Eltern, die ihren Kindern Kekse mit in die KITA geben, werden um des heiligen Zieles Willen aus der "Zuckerfreien KITA" verbahnt.
 "Vierjähriger fliegt nach Butterkeks-Streit aus dem Kindergarten" von Annika Fischer in WAZ vom 27. März 2013
  • Arbeit dient nicht mehr der inneren Befriedigung und der Schaffung und Erhaltung einer Lebensgrundlage, sondern sie verkommt zu einer albernen Zwangshaltung dahingehend "Fleiss" zu zeigen oder den Tag zu "strukturieren", etwa durch Zwangspuzzeln, in einer mit Steuergeldern geförderten (Zwangsbeglückungs-)Maßnahme. 
"Die Armutsindustrie Kein Ding machen" von Hans Hoff in Süddeutsche Zeitung vom 17. Mai 2010
  • Bildung ist kein Selbstzweck mehr, sondern da "Wissen" ja nun "Rohstoff ist, eine bloße Ressource und Ressource werden im Kapital nunmal ausgebeutet. Damit dieses Kapital nicht ausgeht, wird auch schon der Kindergarten primär als "Bildungsanstalt" gesehen: Spaß am Spielen? Ja, bitte aber nur, wenn das Kind dabei auch nachweisbar was lernt und zwar auf jeden Fall irgendwas "Verwertbares". Einfach nur mit der Babypuppe auf dem Zaun vorm Plattenbau abhängen? Wo bringt das Nutzen? 
Schließlich und endlich: Der Homo Sozialdemokraticus ist das seelenentleerte genormte Produkt, welches entsteht, wenn kleine Spießer eine bessere Lampenputzervereinigung gründen und diese dann als Partei bezeichnen.
Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Schwarzgelb abgewählt werden muss. Aber nicht von dieser SPD :-)





1 Kommentar:

  1. Absolut gut getroffen. Genau so sieht der Mensch der Zukunft aus.
    Ein willenloser Arbeitssüchtiger Sklave

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